Hochsensibilität und Trauer
Hochsensibilität und Trauer
Dies wird ein sehr persönlicher Beitrag. Anlass ist der Tod meines Vaters im Dezember 2025, der mit 91 Jahren verstarb. Er war seit Jahren hochgradig dement. Als ich ihn das letzte Mal sah und ihm ein Lied aus unserer Heimat sang, strahlte er mich mit Tränen in den Augen an. Diesen Blick von ihm werde ich nie vergessen. Die Trauer hat mich aus der Bahn geworfen. Inzwischen wandelt sich was und es gab einigen intensiven Austausch mit anderen vielseitigen Verlusterfahrungen. Es sind facettenreiche Überlegungen und Gefühle aus vielseitigen Perspektiven.
Mein Vater ist auf dem Friedhof jetzt in bester Gesellschaft mit meiner Mutter (2017) und meinen Großeltern (1980 und 1997) mütterlicherseits. Den 4 Menschen von denen ich mich am meisten geliebt und gesehen fühlte. So ist die Grabstelle meine Oase der Liebe. Manchmal bin ich sehr dankbar dafür. Ich habe viele andere Familiengeschichten gehört. Mir ist bewusst, dass diese Erfahrung nicht selbstverständlich ist. Meine geliebte Oma Else taucht nicht nur in meinem Rückzug auf. Viele Jahre später berührte mich sehr „Ich sehe dich“
Karfreitag 2026
Trauer – sowohl als auch
- Mein Vater hat lange vor mir gedichtet und Geschichten auch für mich geschrieben. (Siehe unten). Ich habe eine liebevolle und lustige Sammlung über die ich mich immer wieder freuen kann. Für Feiern baute er oft etwas Originelles, an das viele gerne denken. Vor der Beerdigung Ende Januar sammelte ich von Verwandten und Freunden Erinnerungen und ließ sie einfließen in die Trauerrede. Es war mir ein großes Bedürfnis, die Rede für unseren Vater zu halten. Ich hatte auch viel Fotos dabei. Eine Freundin schrieb danach. „Liebe Antje, es war eine sehr berührende Trauerfeier und Dank dir, auch mit viel Schalk und Herzlichkeit, auch wenn sicher nicht alles eitel Sonnenschein war. Ein Mensch und doch so vielseitig. Viele schöne Erinnerungsgeschichten wurden da zusammen getragen. Danke dir für diese etwas andere Möglichkeit einer Trauerfeier. Sei fest umarmt und gedrückt“.
- Und dann? Umarmungen und Fragen blieben fast aus, wie es mir geht. Darüber machte ich mir schreibend 2022 Gedanken. Der Wunsch nach einige tröstenden Worten von einer Freundin wurde mir verwehrt. Ich bekam meist nur kurze Beileidsschreiben. Ich hatte den Wunsch über meinen Vater mehr zu reden, aber ich erlebte sehr wenig Interesse. Irgendwann kam mir die Idee nach Hochsensibilität und Trauer zu recherchieren und las, dass wir Trauer viel intensiver erleben. Kann ich bestätigen.
- Es sorgten sich einige über meinen Rückzug. Irgendwann gab ich wieder Lebenszeichen von mir. Ich tausche mich auf einer viel tieferen Ebene mit anderen hochsensiblen Menschen über unsere Geschichten aus. Alle kennen Trauer, alle haben ihren individuellen Erfahrungsschatz.
- Was mir gut tat?
- Einer bot mir Telefonat an und ein konkrete Verabredung.
- Einige wenige Nachfragen von unerwarteter Stelle rührten mich zu Tränen.
- Eine hörte meine Trauer aus meinen Worten und war dann spontan da.
- Eine rief an, auch auf die Gefahr, einen Korb zu bekommen.
- Von einer anderen bekam ich Adressen zur Unterstützung.
- Eine teilte die bittere Erfahrung, dass selten einer kommt und Hilfe anbietet. Auch in dieser Phase muss man selbst die Initiative ergreifen.
- Nachrichten kamen
- „Ja, Trauer kann sehr schmerzhaft sein, und für Hochsensible umso mehr. Meine Erfahrung ist, dass bei jeder neuen Trauer alte Trauer wieder mitgefühlt wird, dass kann dann sehr viel sein“
- „Wenn du Unterstützung haben magst, von mir oder einer Trauerbegleitung – sag Bescheid. Ich bin gern für dich da.“
- Wie fühlst du dich, hoffentlich jeden Tag ein bisschen besser.“
- „Ich überlege eben, was ich dir gutes tun könnte… Magst du vorbeikommen? Würde dir das gut tun? . Aber heute Nachmittag oder Morgen könnte ich.“
- Ja, ich habe mich auch gefreut dich wieder gesehen zu haben und mit deiner liebevollen Art zu trauern. Es ist dein persönlicher Schatz den du in dir trägst. Ehre ihn!“
- „Trauer ist das Glück, geliebt zu haben“ dieser Buchtitel und diese Perspektive berühren mich auch sehr.
- Und
- Wem stand ich wirklich an der Seite in Zeiten der Trauer? Ich überlege und wenn ich ehrlich bin, schützte ich mich privat oft vor dem Schmerz und der Trauer. Mich überrollt die Fülle und Intensität. Vielleicht geht es anderen ja auch so mit mir.
- 2023 hielt ich 3 Trauerreden für Menschen aus meinem Umfeld.
- Ich schrieb 2 Gedichte für Verstorbene.
- Vor Jahren besuchte ich einen Kurs „Mut zum Trauern“. Da wurde mir bewusst, dass es ja Mut braucht, sich seinen Gefühlen zu stellen. Nun habe ich meine Trauer das erste Mal wirklich zugelassen. Bis dahin beherrschte ich mich und schaffte mit versteckte mich mit Humor bei meinen Texten und Gedichten.
- 2025 schrieb ich anlässlich des Tag des Friedhofs den Text Mein Dank gilt den Toten
- Anders im professionellen Rahmen mit unzähligen Hochsensiblen. Dort höre ich zu, dort fließen viele Tränen und höre ich viele Schicksale.
- Ich wünsche mir und anderen Trauernden
- Menschen wie Momo
- Tröstende und heilsame Worte und Erinnerungen 2023
- Schultern zum Anlehnen
- Fragen, was helfen kann
- Mut, auf uns zuzugehen
- Einladung, sich an einen gedeckten Tisch zu setzen
- Atmosphäre zum Loslassen
- Geduld und Verständnis
Ich fand dieses Gedicht meines Vaters erst nachdem ich „Ein cooler Elefant geschrieben hatte, vor kurzem (2022) wieder. Einerseits grinse ich breit und bin berührt, anderseits bin ich sehr traurig, wenn ich an ihn denke. Er ist dement und kann nicht mehr erleben, wie er mich kreativ mit seinem Humor beeinflusst hat. Ich bin ihm so dankbar und fühle mich mit ihm schreibend verbunden. 2022 Crossover
Irgendwann schenkte mir jemand mal den Begriff WACHSTUMSGELEGENHEIT. Das war und ist eine sehr intensive und große für mich. Bei weiteren Erkenntnissen werde ich den Beitrag bestimmt ergänzen.
Weitere Ideen sind sehr willkommen.
Ich konnte mich nicht dran erinnern, dass und auch nicht wann ich dieses Gedicht geschrieben habe. Schon verrückt, dass ich es vor paar Tagen wieder gefunden habe. Präsent habe ich aber mein 1 Slam Poem über Schade, schade die Blockade 2024.














































