Facettenreich Hochsensibilität
Im April 2025 nahm ich zum 2. Mal an einem Schreibworkshop der Böllstiftung teil. Im Jahr zu vor schrieb ich ein Slam – Poem über eine Blockade – „Schade schade- die Blockade.“ Mein Anliegen war es dieses Mal, etwas Ausführliches über die Hochsensibilität zu schreiben. Eine Mischung aus Reim und Text wurde es. Am meisten freute mich, dass eine nachdem sie es hörte, auf mich zu kam und merkte, dass es auf sie zuträfe. Später nahm sie an einem Kurs von mir teil, um mehr zu erfahren.
Herzlich willkommen im Facettenreich Hochsensibilität
wir sind wirklich viele
Heut mein Ziele
zeigen euch wie wir so ticken
Seh ich gleich schon jemand nicken
Oder Augen jetzt verdrehn
Möchte dass wir uns versteh.
Schon als Kind wir viel gehört
Empfindsamkeit die meisten stört
Du bist zuviel mit deinen Emotionen
Reiss dich zusammen.
Fang nicht schon wieder an zu weinen.
Frag nicht so viel
Sei endlich still.
Verkrochen uns im Schneckenhaus
Trauen selten uns mal raus.
Wir sind Aliens von einem andren Stern
Viele Menschen sind uns fern.
Dies hinterlässt teils dramatische Spuren
Angst, Trauma Burnout, Depression, Mobbing ist stark verbreitet
Viele es dazu verleitet,
immer mehr sich zu verstecken.
Im Schneckenhaus mit sehr viel Decken.
Und dann kommt irgendwann „zufällig“
der Begriff Hochsensibilität in ihr Leben
Durch andere
Die darüber schreiben
Die sich zaghaft outen
Die ihre facettenreiche Geschichte teilen
Die ahnen und spüren, dass du vielleicht auch dazugehörst
Die dich fragen, ob du davon gehört hast.
Und dann? Wirklich sehr viele es so beschreiben,
Es ist ein Gamechanger.
Jetzt erklärt sich einiges
Die dankbare Überraschung Da gibt es tatsächlich Menschen, die dich verstehen und so fühlen wie du.
Wie wir so ticken? Sowohl als auch
Unsere Antenne sind sehr fein
Nehmen viele Reize wahr
Und deshalb wird es eher sein.
Erschöpft wir sind, ist doch klar?
Niemand da, der uns versteht.
Keine Ahnung, worum es sich dreht.
Keiner sieht uns
Keiner hört zu
Keiner fühlt so viel wie ICH.
Wir bauen Schutzpanzer und ohne Schutzmasken geht nichts.
Es ist zu laut
Es ist zu hell
Es ist zu warm
Es ist zu eng
Es ist zu viel
und vieles mehr,
Manche Blicke könnn uns töten
Andre lassen uns erröten
fürchten uns vor barschen Worten
Sehnen uns nach sicheren Orten
Panik, Panik neuer Raum
Schwer aushalten, ihr glaubt es kaum.
Brauchen Vertrauen und Sicherheit.
Und wir haben so viele andere Seiten
Fühlen Tief
Sind kreativ
Lachen uns schief
Sind intuitiv
Und fühlen mit
Hören zu
Kombinieren
Musizieren
Eskalieren
Begeistern uns
Haben Ideen
Schaffen Atmosphäre
Was wir uns wünschen
Frage bitte, wie ich ticke
Was wir üben
Uns zu vertrauen
Auch wenn andre komisch schauen.
Vieles ist noch nicht gesagt
Ist aufs nächte Mal vertagt
Ich musst mich beschränken
Und bitte dran denken
Ich bin anders
Und du bist anders
Na und
Das macht das Leben eben bunt.
Hochsensibilität und Schnecken
Als ich dann später die 3 Schnecken miteinander beobachtete, wurden mir die Parallelen nochmal deutlich. Ganz behutsam und langsam Fühler ausstrecken. Testen bin ich sicher und kann ich mich annähern oder besser doch wieder in das schützende Haus?
Inzwischen teile ich den Text immer wieder zum Erklären, wie wir so ticken.
„Ich bin anders
Und du bist anders
Na und
Das macht das Leben eben bunt.“
Das ist der Refrain eines Kinderliedes von Robert Metcalf. 2011 sang es meine Tochter mit ihrer Klasse zu einem Fest. Mich begeisterte es, dass die Kinder sich singend mit Vielfalt beschäftigten. Ich wünsche mir, dass das Interesse an und das Verständnis für Hochsensibilität wachsen wird. Ich mache dafür weiter. Gerne teilen. DANKE.
