Humor öffnet Türen, selbst im Ernstfall. Die provokative Therapie nach Frank Farrelly verbindet liebevolle Provokation, überraschende Impulse und meine Crossover‑Poesie. Ein Weg, der festgefahrene Muster löst, Leichtigkeit schenkt und Menschen zurück zu ihren verschlossenen inneren Schätzen führt.
Was Therapie mit mir gemacht hat
Was Therapie mit mir gemacht hat
Im Dezember 2025 veröffentlichte ich das 1. Interview Hochsensible Erfahrungen mit Therapie. Im Coaching hatte eine Kundin ihren Weg geteilt. Jetzt teile ich die Geschichte einer sehr jungen Frau. Mich stimmt diese sehr traurig. Es ist wünschenswert, dass sich etwas ändert.
Erfahrungsbericht
Der Bericht fasst die bisherigen therapeutischen Erfahrungen der jungen Frau zusammen und zeigt, wie sie unterschiedliche Behandlungssettings erlebt hat. Er macht belastende wie hilfreiche Aspekte sichtbar und ordnet sie in ihre diagnostische Vorgeschichte ein. Die Darstellung hilft, ihre Situation besser zu verstehen, Schwierigkeiten im therapeutischen Zugang zu erkennen und die Rahmenbedingungen zu benennen, die sie für Sicherheit, Wahrgenommen‑Werden und angemessene Begleitung braucht. Ihre zahlreichen Diagnosen verdeutlichen die Komplexität der Symptomatik; zugleich beeinflusst eine mögliche Hochsensibilität, wie sie Beziehungen erlebt und auf Interventionen reagiert. Der Bericht dient dazu, Erfahrungen zu strukturieren, Bedürfnisse klar zu benennen und Hinweise für eine zukünftige therapeutische Begleitung abzuleiten.
1. Erfahrung: Kinder- und Jugendtherapeut
Meine erste therapeutische Erfahrung war beim Kinder‑ und Jugendtherapeuten. Dort habe ich mich nicht ernst genommen gefühlt. Der Therapeut sagte mir, ich hätte „nichts“. Er meinte, es gehe mir nicht schlecht genug für eine Therapie. Solange ich keine Suizidgedanken hätte, sei „alles in Ordnung“. Er entließ mich ambulant und sagte, ich solle erst wiederkommen, wenn es „ganz schlimm“ sei. Ich bin gegangen – mit dem Gefühl, nicht gesehen und nicht verstanden worden zu sein.
2. Kriseninterventionsstation
Danach war ich zwei Wochen auf einer Kriseninterventionsstation. Auch dort fühlte ich mich fehl am Platz. Es gab kaum Interaktion. Die meiste Zeit verbrachte ich allein in meinem Zimmer. Es wurde kaum mit mir gesprochen. Ich kam nur zum Essen heraus. Ich fühlte mich nicht aufgefangen, nicht begleitet, nicht wahrgenommen. Die Zeit dort hat mir nicht geholfen – ich hatte das Gefühl, sie einfach „abzusitzen“.
3. Therapiestation (stationär)
Ich habe mich dann selbst darum gekümmert, auf die Therapiestation zu kommen. Doch auch dort fühlte ich mich nicht richtig aufgehoben. Die Atmosphäre war wenig feinfühlig. Die Therapeutin war sehr konkret, und streng. Ich selbst habe aufgrund meiner sozialen Ängste wenig gesprochen. Statt mich behutsam zu öffnen, wurde mir gesagt: „Wir können dir nicht helfen, wenn du nicht redest.“ Ich fühlte mich nicht sicher genug, um mich zu öffnen. Ich fühlte mich nicht verstanden. Ich fühlte mich nicht gesehen.
4. Zweite ambulante Therapeutin
Erst bei meiner zweiten ambulanten Therapeutin habe ich mich zum ersten Mal wirklich wohlgefühlt. Sie hat mir zugehört. Ich habe gemerkt, dass sie sich Sorgen macht – im positiven Sinne. Ich habe gespürt, dass sie mich ernst nimmt. Dass sie mich versteht. Dass ich dort nicht „übertreibe“, sondern einfach ich sein darf.
Diagnosen
Im Verlauf der letzten Jahre wurden bei mir folgende Diagnosen gestellt:
- Borderline‑Persönlichkeitsstörung (BPS)
- Depressive Störung (rezidivierend / episodisch)
- Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
- Sozialphobie / soziale Angststörung
- Anorexia nervosa (Essstörung)
- Panikstörung mit Panikattacken
- Dissoziative Krampfanfälle
- Chronische und akute Suizidgedanken
- Psychosomatische Störungen
- Psychosomatische Magenschmerzen
- Selbstschädigendes / selbstzerstörerisches Verhalten
Hochsensibilität
(kein Diagnosebestandteil): Im Coaching wurde das Thema Hochsensibilität angesprochen. Die junge Frau zeigt mehrere Merkmale, die darauf hindeuten könnten, dass eine erhöhte sensorische und emotionale Feinfühligkeit vorliegt. Sie selbst ist sich derzeit noch unsicher, ob sie diesen Begriff für sich annehmen möchte und in welchem Ausmaß sich diese Feinfühligkeit in ihren bestehenden Diagnosen widerspiegelt. Aus fachlicher Sicht könnte Hochsensibilität ein zusätzlicher Persönlichkeitsfaktor sein, der bestimmte Symptome verstärkt oder beeinflusst, ohne eine der bestehenden Diagnosen zu ersetzen. Die Einordnung bleibt offen und kann im weiteren therapeutischen Prozess vertieft werden.
Es fehlte mir und ich wünschte mir
Wenn ich auf meine bisherigen Therapieerfahrungen zurückblicke, sehe ich vor allem, was mir gefehlt hat: Zeit, um Vertrauen aufzubauen. Feinfühligkeit, die mich nicht überfährt. Fragen, die mir helfen, mich zu öffnen. Echtes Interesse an meiner Geschichte. Eine Einschätzung, die nicht nur danach fragt, ob ich akut gefährdet bin, sondern danach, wie es mir wirklich geht. Ich hätte einen Raum gebraucht, in dem ich nicht untergehe, wenn ich leise bin. Menschen, die Hochsensibilität kennen und verstehen. Begleitung statt Druck. Sicherheit statt Härte. Wenn ich an Kliniken und Stationen denke, wünsche ich mir, dass man sich Zeit nimmt für mich. Dass man nicht nach Schema F arbeitet, sondern nach dem, was ich brauche. Dass man mich nicht allein lässt, wenn ich still bin. Dass man nicht nur dokumentiert, sondern wirklich da ist. Dass man nicht an Geld denkt, sondern an Menschen wie mich. Ich hätte mir gewünscht, dass jemand sagt: Wie geht es dir wirklich? Wie ist es dazu gekommen? Was brauchst du jetzt? Was wünschst du dir von mir? Ich bin hier, auch wenn du nicht reden kannst. Was mir hilft, ist eigentlich ganz einfach: wenn ich verstanden werde, ernst genommen werde, nicht gedrängt, nicht bewertet, nicht verglichen, sondern gesehen.
Fazit
Letztes Jahr hatte ich auch einen Fachartikel für die Bürgerhilfe Sozialpsychiatrie Frankfurt: Impulse, Praxisideen und Austausch für Therapeut:innen „Hochsensibilität im Dialog“ geschrieben. Ich finde Verständnis und ein achtsamen Umgang mit Besonderheiten sehr wichtig. Ich werde weitere Geschichten teilen. Siehe auch
Wenn Sie selbst betroffen sind
Dieser Erfahrungsbericht spricht sehr persönliche und schwere Themen an. Falls Sie sich in Teilen wiedererkennen oder gerade selbst nicht gut zurechtkommen, müssen Sie das nicht allein tragen:
- TelefonSeelsorge – kostenlos, anonym, 24/7: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (auch per Chat: telefonseelsorge.de)
- Nummer gegen Kummer (für Kinder & Jugendliche): 116 111 (Mo–Sa, 14–20 Uhr)
- krisenchat.de – anonyme Krisenberatung per Chat für junge Menschen, täglich 7–24 Uhr
- Bei akuter Gefahr: 112 (Notruf) oder die nächste Klinik-Notaufnahme



































