Es gibt nicht den einen typischen Hochsensiblen. Die Hochsensibilität ist komplex hat viele Gesichter.
Körper & Sinneswahrnehmung
Unsere hohe Sensibilität gegenüber Geräuschen (Lautstärke), Gerüchen, Materialien und anderen Sinneseindrücken kann uns enormen Stress bereiten. Zu viele Eindrücke und Aufgaben stressen uns. Für unsere Reizverarbeitung brauchen wir Oasen. Es helfen u.a. Rückzug mit Stille, Ruhe, Schreiben, Natur und heilsame Erinnerungen. Viele haben ein sehr gutes Körpergefühl. Oft werden sie aber von Ärzten nicht ernst genommen. Die intensive und differenzierte Reizwahrnehmung und -verarbeitung braucht viel Energie. Viele fühlen sich so von Hunger gestresst. Regelmäßiges proteinreiches Essen unterstützt unsere Regulation.
Emotionale Intensität & Empathie
Durch intensives Erleben können Emotionen uns überwältigen. Die Tränen fließen. Körper regiert mit Gänsehaut. Viele verzichten auf schwere Nachrichten und Gruselfilme, weil diese uns emotional überfordern. Verbreitet ist ein sehr großes Harmoniebedürfnis. Konflikte und etwas anzusprechen ist eine große Herausforderung. Es ist ein Geschenk für uns, Resonanz mit anderen Hochsensiblen zu erleben. Gerechtigkeit ist ein sehr hoher Wert. Viele spüren eine tiefe Verbindung zu Tieren. Wir sind leicht zu verunsichern und es gibt Angst vor Ablehnung.
Kognitives Erleben und Verarbeitung
Unser Gedankenkarussell dreht sich oft ununterbrochen. Das Kopfkino kreiert zum einen Dramen zum anderen kann uns unsere Fantasie beflügeln, um etwas künstlerisches zu erschaffen (u.a, Musik, Literatur, Malerei) Um etwas genau verstehen zu wollen, analysieren wir und stellen viele Fragen, was unsere Gegenüber manchmal stressen und nerven kann. Auf der anderen Seite, können unsere Fragen helfen, das Denken neu zu lenken. Viele von uns nehmen Details und Veränderungen wahr. Sie erkennen, wenn etwas nicht stimmig ist. Es ist nicht leicht, schnell und einfach Entscheidungen zu treffen, da viel abgewogen und durchdacht werden muss. Trotz hoher Kompetenz sind Selbstzweifel oft verbreitet. Wir lieben es, uns in Themen zu vertiefen
Persönliche Entwicklung und Selbstbild
Viele bedauern das späte Erkennen der Hochsensibilität und schätzen es, dass es einen Begriff gibt für unser Anders sein und Aliengefühl. Vieles erklärt sich so neu in ihrem Leben. Feedback einer Frau, die ich darauf ansprach. „Du warst mir damals mit deiner Thematik Hochsensibilität ein riesiger Beitrag, selbst genauer hinzuschauen und diese ebenso für mich (endlich) zu akzeptieren und anzuerkennen. Gerade aus heutiger Sicht zurückblickend: 1.000 Dank dafür.“ Eine wiederkehrende Erfahrung ist es, in den Tiefstatus zu gehen und sich klein und unbedeutsam zu fühlen. Viele von uns unterschätzten ihre Fähigkeiten und werden vom Umfeld unterschätzt. Viele wurden als Sensibelchen belächelt. Das hat schmerzhafte Spuren hinterlassen. Viele von uns identifizieren sich mit Kinderbuchfiguren. Viele Figuren sind anders, allein und wachsen an ihren Aufgaben und gelten als Helden:innen. Viele drücken sich kreativ aus, scheuen sich aber, sich damit zu zeigen, da die Angst vor Sichtbarkeit riesengroß ist. Schwierigkeiten mit Festanstellungen, Jobwechsel, und Erfahrungen mit Mobbing sind verbreitet. Verbreitet ist die Suche nach der Berufung, nach einem Sinn, und dem starken Wunsch, nach innerer Entfaltung.
Soziales Verhalten und Kommunikation
Unter uns gibt es introvertierte, extrovertierte, ambivertierte (reagieren je nach Situation introvertiert oder extrovertiert reagieren) Scanner Persönlichkeiten, (Menschen mit vielen Interessen und Talenten, die sich schnell für Neues begeistern – aber ebenso schnell das Interesse verlieren, sobald sie etwas verstanden haben). High Sensation Seeker (suchen ständig neue Reize, Erfahrungen und Abenteuer), Synästheten (Kopplung von Wahrnehmungen) regulierte, disregulierte (Schwierigkeiten, ihre Emotionen, Impulse oder körperlichen Zustände zu steuern – oft mit starken Stimmungsschwankungen oder Überforderung) Unter uns gibt es Perfektionisten und auch welche die zum Chaos neigen. Hinter unserem Pokerface steckt oft eine Verletzlichkeit und große Unsicherheit. Bei Überreizung ziehen wir uns zurück, wenn wir den Mut dazu haben, eine Situation zu verlassen. Smalltalk ist für viele schwierig. Blickkontakt kann verunsichern. Kann aber auch der Orientierung dienen, um im Gegenüber zu lesen. Neue Situationen und im Mittelpunkt zu stehen, macht vielen von uns Angst. Wir scannen Menschen und Orte, auch um zu prüfen, ob wir uns sicher fühlen können. Oft haben wir einen guten Draht zu anderen „merkwürdigen“ Menschen, weil wir im Anderssein zu Hause sind.
Lebensrealitäten & Herausforderungen
Bei vielen zählen Traumatisierungserfahrungen zur Lebensgeschichte. Durch die Erfahrungen verziehen sich viele in Schweigespiralen. Unter den passenden Voraussetzungen sind wir leistungsfähig und robust. Unsere Komfortzone ist oft schmal zwischen Langeweile und Überforderung.
Ressourcen und Stärken
Viele sind, kreativ, empathisch, zuverlässig. Wir haben ein Gespür für Atmosphäre und können sie positiv gestalten. Wir haben feine Antennen Wir denken vernetzt und entwickeln Ideen für originelle Lösungen. Aus Angst vor den Reaktionen trauen wir uns nicht, diese zu teilen. Einige haben Vorahnungen, die leider meist belächelt werden, so dass wir sie für uns behalten. Manche haben Vertrauen in die eigene Intuition. Anderen fehlt dazu leider der Zugang. Wir genießen schöne Momente Wir lieben es, uns in Themen zu vertiefen. Wenn wir uns sicher und bestärkt fühlen, können wir aufblühen. Wir können uns oft sehr detailliert an etwas erinnern. Mal ist das Geschenk, mal auch eine große Herausforderung.