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Antje Remke

Coach für Hochsensibilität

Hochsensibilität im Dialog

Hochsensibilität im Dialog

Hochsensibilität im Dialog – Perspektiven, Erfahrungen, Verständnis

„Hochsensibilität im Dialog“ – Fachartikel für die Bürgerhilfe Sozialpsychiatrie Frankfurt: Impulse, Praxisideen und Austausch für Therapeut:innen. Der Anfrage für die Zeitschrift Treffpunkte etwas zu schreiben, bin ich im Sommer 2025 sehr gern gefolgt. Ich freue mich so einen weiteren Beitrag zum Verständnis für hochsensible Menschen zu machen.

Schwester Antje

Zeitschrift Treffpunkte

Die traditionsreiche Frankfurter Zeitschrift für Gemeindepsychiatrie erscheint seit Ende der 70er Jahre. Sie ist ein Forum für alle Akteure der Sozialpsychiatrie. »Treffpunkte« bietet Berichte und Essays zu aktuellen Themen, diskutiert allgemeine Entwicklungen, stellt Betrachtungen zu Kunst und Kultur an, ist Plattform für Fachleute, Betroffene und Angehörige. Besonderes Gewicht liegt in der Berichterstattung auf Themen aus der Region Rhein-Main und Hessen. Die Bürgerhilfe als Herausgeber trägt die Zeitschrift seit dem Wegfall öffentlicher Zuschüsse im Jahr 2004 alleine. Gründer der Publikation war Christof Streidl (1939-1992), einer der ersten Vorsitzenden der Bürgerhilfe Sozialpsychiatrie. Die Zeitschrift erscheint halbjährlich. Das Jahresabonnement kostet 14,00 € inkl. Versandkostenpauschale. Hier finden Sie Abo Preise 2025. Leider muss der Herausgeber, die gemeinnützige Bürgerhilfe Sozialpsychiatrie Frankfurt am Main e. V., diese Publikation mit dieser Ausgabe aus wirtschaftlichen Gründen einstellen.

Hochsensibilität im Dialog – Perspektiven, Erfahrungen, Verständnis

Hochsensible, Expertinnen, Psychiatrieerfahrene, Angehörige und Interessierte  im Gespräch

Eine dialogische Begegnung von Standpunkten, Erfahrungen, Vorurteilen und Perspektiven für ein besseres Verständnis und Miteinander. Es gibt viele Fragen Sie stehen sich einander Rede und Antwort. 

Inhalt:

  • Wie ist die Geschichte der Hochsensibilität?
  • Was ist Hochsensibilität?
  • Wie erkenne ich, ob ich oder mein Gegenüber hochsensibel ist?
  • Wie können wir Expertinnen und Angehörige Euch Hochsensible unterstützen?
  • Und was liegt in Eurer Verantwortung als Hochsensibler?
  • Antje Remke

Wie ist die Geschichte der Hochsensibilität?

Die Anfänge der Hochsensibilität als wissenschaftliches Konzept gehen auf die US-amerikanische Psychologin Elaine N. Aron zurück. In den frühen 1990er-Jahren begann sie, das Phänomen systematisch zu erforschen und prägte den Begriff Highly Sensitive Person (HSP). 1996 veröffentlichte sie ihr Buch The Highly Sensitive Person (hochsensible Person), das das Thema erstmals einem breiten Publikum zugänglich machte. 1997 stellte sie die HSP – Skala vor einen Fragebogen zur Erfassung von Hochsensibilität.

Was ist Hochsensibilität?

Sie wird oft als genetisch bedingtes angeborenes Persönlichkeitsmerkmal beschrieben. Menschen mit Hochsensibilität haben eine erhöhte sensorische Verarbeitungssensitivität, die unabhängig von traumatischen Erfahrungen auftreten kann. Es gibt genetische Faktoren. Studien zeigen, dass bestimmte genetische Variationen, wie im Serotonin-Transporter-Gen (5-HTTLPR), mit einer höheren Empfindlichkeit gegenüber Umweltreizen verbunden sind.

Es gibt Hinweise darauf, dass Hochsensibilität genetisch bedingt sein kann. Sie wird als angeborenes Temperament beschrieben. Umweltfaktoren wie Erziehung, Erfahrungen und Traumata können die Ausprägung der Hochsensibilität beeinflussen.  Hochsensibilität kann als eine geringere Filterung von Reizen beschrieben werden. Hochsensible Menschen verarbeiten mehr Informationen gleichzeitig, was zu einer intensiveren Wahrnehmung führt, aber auch schneller zu Überforderung führen kann. Mehr dazu später.

Wie erkenne ich, ob ich oder mein Gegenüber hochsensibel ist?

Es gibt nicht den einen typischen Hochsensiblen. Die Hochsensibilität ist komplex hat viele Gesichter.

Körper & Sinneswahrnehmung

Unsere hohe Sensibilität gegenüber Geräuschen (Lautstärke), Gerüchen, Materialien und anderen Sinneseindrücken kann uns enormen Stress bereiten. Zu viele Eindrücke und Aufgaben stressen uns. Für unsere Reizverarbeitung brauchen wir Oasen. Es helfen u.a. Rückzug mit Stille, Ruhe, Schreiben, Natur und heilsame Erinnerungen. Viele haben ein sehr gutes Körpergefühl. Oft werden sie aber von Ärzten nicht ernst genommen. Die intensive und differenzierte Reizwahrnehmung und -verarbeitung braucht viel Energie. Viele fühlen sich so von Hunger gestresst. Regelmäßiges proteinreiches Essen unterstützt unsere Regulation.

 

Emotionale Intensität & Empathie

Durch intensives Erleben können Emotionen uns überwältigen. Die Tränen fließen. Körper regiert mit Gänsehaut. Viele verzichten auf schwere Nachrichten und Gruselfilme, weil diese uns emotional überfordern. Verbreitet ist ein sehr großes Harmoniebedürfnis. Konflikte und etwas anzusprechen ist eine große Herausforderung. Es ist ein Geschenk für uns, Resonanz mit anderen Hochsensiblen zu erleben. Gerechtigkeit ist ein sehr hoher Wert. Viele spüren eine tiefe Verbindung zu Tieren. Wir sind leicht zu verunsichern und es gibt Angst vor Ablehnung.

Kognitives Erleben und Verarbeitung

Unser Gedankenkarussell dreht sich oft ununterbrochen. Das Kopfkino kreiert zum einen Dramen zum anderen kann uns unsere Fantasie beflügeln, um etwas künstlerisches zu erschaffen (u.a, Musik, Literatur, Malerei) Um etwas genau verstehen zu wollen, analysieren  wir und stellen viele Fragen, was unsere Gegenüber manchmal stressen und nerven kann. Auf der anderen Seite, können unsere Fragen helfen, das Denken neu zu lenken. Viele von uns nehmen Details und Veränderungen wahr. Sie erkennen, wenn etwas nicht stimmig ist. Es ist nicht leicht, schnell und einfach Entscheidungen zu treffen, da viel abgewogen und durchdacht werden muss. Trotz hoher Kompetenz sind Selbstzweifel oft verbreitet. Wir lieben es, uns in Themen zu vertiefen

 

Persönliche Entwicklung und Selbstbild

Viele bedauern das späte Erkennen der Hochsensibilität und schätzen es, dass es einen Begriff gibt für unser Anders sein und Aliengefühl. Vieles erklärt sich so neu in ihrem Leben. Feedback einer Frau, die ich darauf ansprach.  „Du warst mir damals mit deiner Thematik Hochsensibilität ein riesiger Beitrag, selbst genauer hinzuschauen und diese ebenso für mich (endlich) zu akzeptieren und anzuerkennen. Gerade aus heutiger Sicht zurückblickend: 1.000 Dank dafür.“ Eine wiederkehrende Erfahrung ist es, in den Tiefstatus zu gehen und sich klein und unbedeutsam zu fühlen. Viele von uns unterschätzten ihre  Fähigkeiten und werden vom Umfeld unterschätzt. Viele wurden als Sensibelchen belächelt. Das hat schmerzhafte Spuren hinterlassen. Viele von uns identifizieren sich mit Kinderbuchfiguren. Viele Figuren sind anders, allein und wachsen an ihren Aufgaben und gelten als Helden:innen. Viele drücken sich kreativ aus, scheuen sich aber, sich damit zu zeigen, da die Angst vor Sichtbarkeit riesengroß ist. Schwierigkeiten mit Festanstellungen, Jobwechsel, und Erfahrungen mit Mobbing sind verbreitet. Verbreitet ist die Suche nach der Berufung, nach einem Sinn, und dem starken Wunsch, nach innerer Entfaltung.

Soziales Verhalten und Kommunikation

Unter uns gibt es introvertierte, extrovertierte, ambivertierte (reagieren je nach Situation introvertiert oder extrovertiert reagieren) Scanner Persönlichkeiten, (Menschen mit vielen Interessen und Talenten, die sich schnell für Neues begeistern – aber ebenso schnell das Interesse verlieren, sobald sie etwas verstanden haben). High Sensation Seeker (suchen ständig neue Reize, Erfahrungen und Abenteuer), Synästheten (Kopplung von Wahrnehmungen) regulierte, disregulierte (Schwierigkeiten, ihre Emotionen, Impulse oder körperlichen Zustände zu steuern – oft mit starken Stimmungsschwankungen oder Überforderung) Unter uns gibt es Perfektionisten und auch welche die zum Chaos neigen. Hinter unserem Pokerface steckt oft eine Verletzlichkeit und große Unsicherheit. Bei Überreizung ziehen wir uns zurück, wenn wir den Mut dazu haben, eine Situation zu verlassen. Smalltalk ist für viele schwierig. Blickkontakt kann verunsichern. Kann aber auch der Orientierung dienen, um im Gegenüber zu lesen. Neue Situationen und im Mittelpunkt zu stehen, macht vielen von uns Angst. Wir scannen Menschen und Orte, auch um zu prüfen, ob wir uns sicher fühlen können. Oft haben wir einen guten Draht zu anderen „merkwürdigen“ Menschen, weil wir im Anderssein zu Hause sind.

Lebensrealitäten & Herausforderungen

Bei vielen zählen Traumatisierungserfahrungen zur Lebensgeschichte. Durch die Erfahrungen verziehen sich viele in Schweigespiralen. Unter den passenden Voraussetzungen sind wir leistungsfähig und robust. Unsere Komfortzone ist oft schmal zwischen Langeweile und Überforderung.

 Ressourcen und Stärken

Viele sind, kreativ, empathisch, zuverlässig. Wir haben ein Gespür für Atmosphäre und können sie positiv gestalten. Wir haben feine Antennen Wir denken vernetzt und entwickeln Ideen für originelle Lösungen. Aus Angst vor den Reaktionen trauen wir uns nicht, diese zu teilen. Einige haben Vorahnungen, die leider meist belächelt werden, so dass wir sie für uns behalten. Manche haben Vertrauen in die eigene Intuition. Anderen fehlt dazu leider der Zugang. Wir genießen schöne Momente Wir lieben es, uns in Themen zu vertiefen. Wenn wir uns sicher und bestärkt fühlen, können wir aufblühen. Wir können uns oft sehr detailliert an etwas erinnern. Mal ist das Geschenk, mal auch eine große Herausforderung. 

Wie können wir Expertinnen und Angehörige Euch Hochsensible unterstützen?

Wie können wir Expertinnen und Angehörige Euch Hochsensible unterstützen?

 

Informiert euch über Hochsensibilität

Macht euch schlau, was Hochsensibilität ist. Es gibt Tests, Bücher und ihr könnt uns direkt fragen. Es ist keine Krankheit. Es gibt auf der Seite von Hochsensibel org. Ein Merkblatt zur Erklärung für Kurzinformation für VertreterInnen von Heilberufen (Somato-Pathologie) HS – Ärzteinfo Beobachtet, ob bestimmte Verhaltensweisen Hinweise sein könnten – und sprecht uns an. Für viele von uns – etwa bei Depressionen oder Essstörungen – ist die Erkenntnis ein heilsames Puzzlestück.

Schenkt uns eure Aufmerksamkeit

Bitte hört uns wirklich zu. Ohne Ablenkung, ohne Bewertung. Lasst uns aussprechen – auch wenn’s länger dauert. Fragt nach, wenn ihr etwas nicht versteht. Das zeigt echtes Interesse. Signalisiert, dass ihr uns verstehen wollt. Und dass wir genau so richtig sind, wie wir sind.

Schafft sichere Räume und sorgt für Atmosphäre

Gebt uns einen Rahmen, in dem wir uns sicher fühlen. Viele von uns wurden verletzt und enttäuscht. Fragt uns, was wir brauchen, um uns wohlzufühlen. Getränke und Taschentücher sind hilfreich – Weinen ist oft Teil eines heilsamen Prozesses. Gebt uns Zeit und Mut, unsere Bedürfnisse zu benennen. Gebt uns das Gefühl, dass wir uns öffnen können.

Ermutigt uns zu Wachstum

Fragt uns nach unseren Visionen und Talenten. Ermutigt uns, Dinge auszuprobieren – behutsam und ohne Druck. Lasst uns Zeit, uns zu öffnen. Das braucht Vertrauen und Geduld. Erklärt uns Dinge gerne in Bildern – wir lieben Metaphern und bildhafte Sprache. Wir wurden oft verletzt und enttäuscht.

Und was liegt in Eurer Verantwortung als Hochsensibler?

 

 

Selbstwahrnehmung & Intuition stärken

Wir lernen unserer Intuition mehr vertrauen – sie ist oft klarer, als wir glauben. Unsere Bedürfnisse ernst zu nehmen, ist nicht egoistisch, sondern notwendig. Auch wenn uns viele nicht verstehen können – wir können lernen, damit zu leben, ohne uns zu verbiegen und zu verstummen.

Grenzen erkennen und kommunizieren

Wir bitten um Pausen , wenn es zu viel wird, ist ein Akt der Selbstfürsorge. Grenzen zu setzen braucht Übung – oft war Schmerz der Auslöser, endlich für uns einzustehen.

„Erst viel Schweres ihn dazu brachte, dass er mehr nun auf sich achte – manch einer ihn dafür verlachte.” (Pfleger Klaus, Crossover)

Offenheit & ehrliche Kommunikation

Wir dürfen ansprechen, was wir uns wünschen – und auch, wenn uns etwas nicht passt. („Bitte mache die Musik aus, ich kann mich sonst nicht auf das Gespräch konzentrieren“, „Können wir mal das Fenster aufmachen?“, „Mich überfordert das Durcheinander und das Tempo.“ Es ist heilsam zu äußern, wenn uns etwas verletzt. Unsere Meinung zählt – auch wenn wir damit manchmal allein dastehen.

Mut zur Veränderung

Wachstum beginnt, wenn wir unsere Komfortzone verlassen und Neues als Lernzone verstehen. Auf Fremde zuzugehen fällt nicht immer leicht – aber wir üben uns, um etwas zu lernen. Wir reden über unsere Hochsensibilität mit anderen, wenn wir das Gefühl haben, Resonanz und Verständnis zu bekommen. Wir akzeptieren, dass uns nicht alle verstehen können. Wir entschuldigen nicht alles damit, dass wir hochsensibel sind. Wir regulieren uns. Wir besuchen und oder gründen Gruppen. Wir nehmen Hilfe in Anspruch. Wir vertrauen unserer Intuition.

Antje Remke

Antje Remke Coach und Autorin (Jahrgang 1968) weiß von sich seit 2015, dass sie hochsensibel ist. Ihr sind seit dem unzählige Hochsensible oft mit traurigen Lebensgeschichten begegnet. Soviel ist möglich, wenn sich Hochsensible richtig, sicher, gesehen, gestärkt, ernstgenommen und verstanden fühlen. Antje Remke leistet ihren Beitrag dazu. Sie klärt auf, ermutigt und stärkt im Coaching, Kursen und Fortbildungen. Auch mit ihren Blogbeiträgen bringt sie das Thema in die Sichtbarkeit. Sie drückt sich kreativ im Schreiben von Gedichten und Texten aus. Damit erinnert sie sich selbst und inspiriert auch andere mit ihren Büchern, im Coaching und bei ihren  Lesungen.

Schwester Antje

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