Hochsensible Netiquette
Ich liebe Wortkreationen. Gerade las ich Netiquette. Das weckte meine Neugierde. Netiquette steht für Regeln für respektvolles Verhalten im Internet. Der Begriff setzt sich aus Net (Internet) und Etikette (Umgangsformen) zusammen.
Was Netiquette genau ist
Netiquette beschreibt empfohlene Verhaltensregeln für die Kommunikation im digitalen Raum – also in Chats, sozialen Medien, E‑Mails, Foren oder Kommentaren. Sie ist nicht gesetzlich bindend, aber sie sorgt dafür, dass Online‑Gespräche freundlich, klar und sicher bleiben.
Die wichtigsten Grundprinzipien der Netiquette
Diese Regeln tauchen in fast allen Netiquette‑Leitfäden auf:
- Höflich und respektvoll bleiben – auch bei Meinungsverschiedenheiten. (Online gelten dieselben Umgangsformen wie im echten Leben.)
- An den Menschen hinter dem Bildschirm denken – Worte wirken online oft härter.
- Sachlich bleiben und nicht beleidigen – Beleidigungen können sogar strafbar sein.
- Lesen, bevor man antwortet – Missverständnisse vermeiden.
- Andere Meinungen akzeptieren – Diskussion statt Eskalation.
- Privatsphäre respektieren – keine Daten anderer veröffentlichen.
- Eigene Privatsphäre schützen – bewusst teilen, was sichtbar sein darf.
- Keine Großbuchstaben für ganze Sätze – das wirkt wie „Anschreien“.
- Keine Spam‑Beiträge oder Werbung – stört die Kommunikation.
- Quellen nennen, wenn man Informationen teilt.
Hintergrund
Die Netiquette entstand ursprünglich im Usenet und wurde später auf alle digitalen Kommunikationsformen übertragen. Ein frühes, weithin anerkanntes Dokument ist RFC 1855, das Hinweise zu Diskussionskultur und technischem Verhalten gibt.
Umgangsformen digital und analog
Die Netiquette ist für mich viel mehr als ein Regelwerk für das Internet. Als ich die Regeln entdeckte, fand ich ich Vebindungen zu dem, worüber ich mir seit Jahren schreibend Gedanken mache: über Umgangsformen, Kommunikation, Respekt und die Art, wie wir miteinander umgehen. Ich freue mich über einige Parallelen zu meinen (un)veröffentlichen Texten, die ich hier teile.
Neue Regeln 2025
- Behalte immer deine Smartphone im Blick.
- Bezieht euch auf keinen Fall auf das, was jemand anderes erzählt, redet immer nur von euch.
- Bitte und Danke sind streng verboten.
- Bloß nicht lächeln, das könnte anstecken.
- Fallt anderen ununterbrochen ins Wort.
- Guckt euch nicht an.
- Kommt auf jeden Fall unpünktlich und entschuldigt euch nicht dafür.
- Macht keine Komplimente, das fördert für Unwohlsein.
- Nehmt niemals Rücksicht aufeinander.
- Perfektioniert euch im Beleidigtsein.
- Reagiert am besten nie auf Fragen.
- Redet aggressiv von Horrorszenarien.
- Sagt Verabredungen einfach kurzfristig ab.
- Sei beleidigt, dann müssen sich die anderen etwas einfallen lassen.
- Teilt Destruktives, dass garantiert schlechte Stimmung.
- Übernehmt nie Verantwortung.
- Übt euch in inkongruenten Verhalten.
- Vermeidet es, den Standpunkt des anderen verstehen zu wollen.
- Versprecht Sachen, die ihr nicht haltet.
- Worte und Mimik dürfen niemals zusammen passen.
Spektakulär 2025
- Die Kraft des Lächelns wurde wieder entdeckt.
- Es wurde erwiesen, dass Lachen ansteckt.
- Menschen begegnen sich wohlwollend.
- Menschen gehen offen durch die Welt und können nicht genug davon bekommen.
- Menschen zeigen Interesse aneinander und sind überrascht, was sie lernen.
- Sie gönnen einander wieder Gutes.
- Sie haben einander im Blick.
- Sie lassen ihren Tränen freien Lauf und finden Trost.
- Sie nehmen sich Zeit einander zuzuhören.
- Wirkung der Komplimente erforscht und an Versuchspersonen erfolgreich getestet.
Düstere Aussichten Crossover 2022
Die Menschen perfektionierten sich darin, sich das Leben schwer zu machen. Es gab da verschiedene Disziplinen. Beliebt war es, sich gegenseitig Vorwürfe zu machen. Immer vom Schlimmsten ausgehen war auch verbreitet. Höflich miteinander umgehen, ging gar nicht mehr. Sich wirklich in die Augen zu schauen, kam auch nicht mehr vor. Angesagt war das Kommunizieren ausschließlich von Destruktivem. Auf keinen mal ehrlich teilen, wie es einem wirklich geht.
Die Menschen stellten sich selbst und andere nicht mehr die Frage. Reagieren auf Wünsche selbstverständlich total verpönt, wäre ja noch schöner, dem anderen einen Gefallen zu tun. Alle lebten isoliert und bewegten sich schwerfällig durch die Zeit. Sie vergaßen, was Spaß machte. Die Bereitschaft, einander zu verstehen, war erloschen. Wer es am längsten mit Schweigen und Ignorieren aushielt, galt als Held.
Nur ganz wenige Menschen hielten sich nicht an die Regeln und verwirrten die Massen mit ihrem Verhalten. Ob sie was ausrichten können?
360 Standpunkte Wirksame Worte 2021
360 Standpunkte gleichmäßig auf einen riesigen Teigkreis verteilt. Ist das ein Gewusel. Ich umringt von ihnen. Reden durcheinander, einer lauter als der andere. Manche haben Megafone mitgebracht. Furchtbar. Und ich keine Ohrenschützer dabei. Als ich dem Auftrag zur Mediation vor 2 Tagen zustimmte, hatte ich keine Ahnung, auf was ich mich da einließ. Und jetzt das. Und nur unter uns, Mediator war ich erst seit einem Monat. Bitte mich nicht verraten.
Wo anfangen? Die Standpunkte feuerten nur so Beleidigungen und Vorwürfe herum. Wie mir Gehör verschaffen? Mein Puls raste, ich spürte wie meine Angst Flecken grösser und grösser wurden. Der Schweiß lief mir den Rücken runter. Panik Panik und auf einmal war er – der ersehnte Gedankenblitz, der mir eine Idee sandte. Ob es funktionieren würde?
Ich guckte mich um und blickte auf einmal in die weisen, liebevollen verstehenden Augen eines Standpunktes. Es zog mich an und auch er bewegte sich ein Stück auf mich zu, ganz langsam und bedächtig. Er war auch nicht mehr der Jüngste. Flüsternd teilte ich meinen Plan mit. Er schmunzelte und nickte mir begeistert zu. „Stille Post“ schrieb ich auf ein großes Blatt Papier. Nur die nächsten Standpunkte konnten das lesen. Manche streckten neugierig die Köpfe zu uns. Manche ahnten was. Um uns herum wurde es endlich etwas leiser. Ein in frischen Sommerfarben gekleideter Standpunkt winkt mir freudig zu. Okay der sollte es also sein.
Ich flüsterte ihm etwas ins Ohr, nur 3 Worte. Er strahlte und ging auf einen Nachbarn zu. Auch seine Augen leuchteten und so ging es langsam im Kreis herum. Die Megafone verstummten, die Wartenden spürten die Veränderung. Stiller und stiller wurde es. Bei manchen sah ich Tränen in den Augen. Ich musste mich selbst auch sehr beherrschen.
Und dann ein letztes Mal. Unser sommerfrischer Standpunkt, der den Auftrag kannte, war gespannt wie ein Flitzebogen, was die Nachbarn sagen würde. Die Blicke aller anderen waren auf ihn gerichtet. Er riss die Arme wonach oben und jubelte. Die Übertragung hatte auf dem langen Weg fehlerfrei funktioniert.
Ich selbst erschöpft und zufrieden wie schon lange nicht mehr mit mir. Ach die 3 Worte noch. Okay ich verrate euch das Geschenk meines Geistesblitzes.
ICH VERSTEHE DICH. Nun bin ich bereit für Neues.
Hochsensible Abschiede auf eigene Weise
Erfahrungen aus vielen Abschieden zeigen: Hochsensible finden tröstliche Wege, wenn sie ihrer Intuition folgen. Diese Seite sammelt Mut, Inspirationen und persönliche Beispiele, die ermuntern, Abschiede auf die eigene, stimmige Weise zu gestalten
Netiquette Schutzraum für Hochsensible
Beim Lesen der Regeln nickte ich zustimmend und entspanne mich. Was für ein Geschenk. Diese Regeln sind leider aus der Mode gekommen. Sprache kann gerade Hochsensible sehr stressen, verletzen und verunsichern.
Klare, respektvolle und achtsame Kommunikation kann Sicherheit schenken kann. Für mich ist die Netiquette eine Weg, zu einem friedlichen wohlwollenden Miteinander. Ich hoffe, dass sich die Regeln großflächig verbreiten.

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