Hochsensibilität und Positive Psychologie
Ich war ein freches und lustiges Kind (natürlich nicht durchgehend), Ich brachte immer gern Menschen zum Lachen. Ich war in der Schule der Klassenclown, nicht um Aufmerksamkeit zu bekommen, sondern um die Schwere im Raum zu lösen. Mache ich heute noch so, aber es hat sich leider viel verändert. Immer wieder genieße und brauche ich die Erinnerung an das Positive. Das ist nicht so leicht, bei allem rundherum. Im Lockdown schrieb ich um mich an Begeisterung, Mut, Zuversicht uvm. zu erinnern.
„Zuversicht, geht grad nicht, oder doch gerade noch.“, „Zuversicht geht grad nicht oder doch, gerade noch, weitermachen es gibt wieder was zu lachen, Schwerkraft lässt sich überwinden Zuversicht heut wiederfinden.“ „Ich habe meinen Mut verloren, wo hatte ich ihn das letzte Mal.?“ (Wirksame Worte 2021) Mir fällt auf, dass es so viele Worte für Belastung gibt, so wenige für das Schöne. Unterwegs begegnen mir nur ganz selten positive Menschen. Gespräche drehen sich meist um Schweres. Seltener teilt jemand etwas Schönes. Ich fand gerade meine Unterlagen wieder über den Kurs zur Positiven Psychologie 2019. Ich möchte mich und mein Publikum wieder an das Positive erinnern.
Die Geschichte der Positiven Psychologie
Die Positive Psychologie entstand Ende der 1990er‑Jahre, als Martin Seligman– damals Präsident der American Psychological Association – einen Wendepunkt setzte. Er kritisierte, dass die Psychologie sich fast ausschließlich mit Leid, Störungen und Defiziten beschäftigte. Sein Anliegen war es, den Blick zu erweitern: Was lässt Menschen aufblühen? Was stärkt sie? Was gibt ihnen Sinn, Hoffnung und Verbundenheit?
Diese Haltung hat mich sofort angesprochen, denn genau solche Fragen energetisieren mich. Ich habe mich darin wiedergefunden: im Fokus auf Stärken, Sinn, Resilienz, gelingende Beziehungen, Dankbarkeit, Mitgefühl und Selbstwirksamkeit. Themen, die mir schon immer näher waren als das endlose Kreisen um das Schwere.
Mihaly Csikszentmihalyi (1934–2021) war einer der bedeutendsten Psychologen und Mitbegründer der Positiven Psychologie unserer Zeit und der Forscher hinter dem Flow‑Konzept. Sein großes Interesse galt einer Frage, die viele Menschen intuitiv kennen: Warum gibt es Momente, in denen wir völlig aufgehen in dem, was wir tun – und dabei tief erfüllt sind?
Aus jahrzehntelanger Forschung entwickelte er das Konzept des Flow: einen Zustand, in dem wir so konzentriert, vertieft und verbunden mit einer Tätigkeit sind, dass Zeitgefühl, Selbstzweifel und äußere Ablenkungen verschwinden. Wir sind ganz da, ganz bei uns, ganz im Tun.
Flow entsteht, wenn:
eine Aufgabe herausfordernd, aber machbar ist, klare Ziele vorhanden sind, wir unmittelbares Feedback bekommen, wir uns frei, sicher und getragen fühlen, Fähigkeiten und Anforderungen im Gleichgewicht sind
In diesem Zustand erweitern sich Kreativität, Problemlösefähigkeit und innere Ruhe. Csikszentmihalyi zeigte, dass Flow nicht nur angenehm ist, sondern ein zentraler Baustein für Wohlbefinden, Sinn und Lebenszufriedenheit.
In den 2000er‑Jahren entstanden weltweit Forschungsprogramme, Universitätslehrstühle und praktische Anwendungen – von Coaching über Pädagogik bis hin zu Gesundheitsförderung. Die Positive Psychologie wurde zu einer ernstzunehmenden Disziplin, die zeigt: Wohlbefinden ist nicht Zufall, sondern kann kultiviert werden.
Positive Emotionen – was sie bedeuten und warum sie wichtig sind
Positive Emotionen sind nicht einfach „gute Gefühle“. In der Positiven Psychologie gelten sie als Kraftquellen, die unser Denken erweitern, unser Nervensystem beruhigen und unsere Fähigkeit stärken, Beziehungen, Kreativität und Resilienz aufzubauen.
Barbara Fredrickson, eine der wichtigsten Forscherinnen, beschreibt sie als „Mikromomente des Aufblühens“. Dazu gehören Gefühle wie: Freude, Dankbarkeit, Interesse, Hoffnung, Gelassenheit, Inspiration, Verbundenheit, Liebe.
Diese Emotionen wirken nicht nur im Moment selbst. Sie haben einen Aufbau‑Effekt: Sie erweitern unsere Wahrnehmung, machen uns offener, klarer, kreativer und stärken langfristig unsere psychische und körperliche Gesundheit.
Meine Positive Poesie
Wenn ich schreibe, folge ich keiner Methode – und doch entdecke ich immer wieder, wie sehr meine Poesie mit den Grundideen der Positiven Psychologie verwoben ist. Ich schreibe über das, was Menschen stärkt: kleine Lichtblicke, Humor, Resonanz, Selbstmitgefühl und neue Perspektiven. Genau das spiegelt sich in den Rückmeldungen zu meinen Büchern wider.
Viele Menschen erzählen mir, dass meine Poesie für sie , Oasen, innere Kompasse oder kleine Anker im Alltag sind. Für mich ist das der Kern der Positiven Psychologie: Momente schaffen, die weiten, beruhigen, verbinden und Mut machen Mikromomente des Aufblühens.
In meinen Gedichten und Texten arbeite ich intuitiv mit dem, was die Forschung beschreibt – mit positiven Emotionen, Resonanz, Stärkenorientierung und Sinn. Ich merke, wie meine Worte Räume öffnen, in denen Menschen sich selbst wiederfinden, manchmal klar, manchmal überraschend neu. Positive Poesie
Mut verloren
Verbindung zwischen Positiver Psychologie und Hochsensibilität
Positive Psychologie und Hochsensibilität berühren sich auf natürliche Weise. Die Positive Psychologie fragt: Was stärkt Menschen? Was lässt sie aufblühen? Was gibt ihnen Sinn, Verbundenheit und innere Stabilität? Hochsensible Menschen nehmen genau diese Bereiche intensiver wahr: Stimmungen, Feinheiten, Resonanz, Bedeutung.
Dadurch entsteht eine besondere Nähe:
- Positive Emotionen wirken bei Hochsensiblen oft tiefer und können das Nervensystem beruhigen.
- Stärkenorientierung hilft ihnen, ihre Sensibilität nicht als Belastung, sondern als Ressource zu sehen.
- Sinn und Werte sind für viele Hochsensible zentrale Orientierungspunkte – genau hier setzt die Positive Psychologie an.
- Resonanz und Verbundenheit sind für HSP essenziell, und die Positive Psychologie beschreibt sie als Grundpfeiler menschlichen Wohlbefindens.
- Selbstmitgefühl und Selbstwirksamkeit unterstützen Hochsensible darin, sich nicht zu überfordern und ihre Kraft bewusst einzusetzen.
Für hochsensible Menschen wird die Positive Psychologie damit zu einem Ansatz, der nicht regulieren oder „robuster machen“ will, sondern das Feine, Tiefe und Resonante als Stärke würdigt. Sie zeigt Wege, wie Sensibilität zu innerer Stabilität, Klarheit und Lebensfreude beitragen kann.
Hochsensibilität und Stresshormone
Hochsensible reagieren schneller auf Stresshormone – und brauchen deshalb mehr Sicherheit, Pausen und Regulation. Wer versteht, wie Adrenalin, Cortisol und der Vagusnerv wirken, kann früher gegensteuern und leichter in innere Ruhe zurückfinden.
Wann komme ich in den Flow?
- Immer wieder einmal beim Schreiben
- Im Coaching, wenn ich auf „verrückte“ Ideen komme
- Einladungen von anderen mein Denken neu zu lenken
- Wenn ich Resonanz und auch tiefe Verbindung spüre
- Wenn ich mit anderen spinnen kann
- Wenn ich andere anstecken kann mit meinen Ideen
- Wenn ich zu Lesungen oder Vorträgen eingeladen werde
- Wenn sich andere bei mir bedanken
- Wenn ich gesehen werde
- Wenn Menschen wirklich zuhören und Interesse haben
- Wenn ich durch Austausch wieder erinnert werde, was ich bereits weiß
- Wenn ich Kurse, Vorträge und Kurse vorbereite
- Wenn ein neuer Blogbeitrag wächst
- Wenn mich andere an Positives erinnern und mich zum Schreiben inspirieren.
Ich habe keine Vorurteile
„Im Park in Pankow setzt sich eine ältere sehr elegant gekleidete Dame zu mir. Topp die Frisur und rosa Kunstnägel. Kilometerweit entfernt von meinem ungeschminkten pragmatischen Stil. Als sie dann noch sagt, dass sie am Kudamm lebt, landet sie im Schubkasten – typisch Wessi. Nein ich habe keine Vorurteile, Trotzdem reden wir miteinander. Und dann erfahre ich ihre Geschichte.
Geboren und aufgewachsen in Pankow. Der erste Versuch, in den Westen fliehen, missglückte und sie landete im Gefängnis. Dafür bekommt sie inzwischen die Opferrente nach dem SED‑Unrechtsbereinigungsgesetz. Beim 2. Mal gelang abenteuerlich die Flucht. Ihr Mann liegt inzwischen in Pankow auf dem Friedhof. Da möchte sie auch irgendwann beerdigt werden.
Bis dahin geht sie wöchentlich u.a. zum Friseur. Sie gibt zu, dass das einer ihrer Spleens ist. Sie schenkt allen Menschen ein Lächeln und ihre Ernte an schönen Momenten ist groß. Ich gebe zu, dass ich es vernachlässigt habe, mit einem freundlichen Gesicht durch Berlin zu gehen. Sie reist furchtlos durch die Welt. Sie mag schwule Männer, weil die einen nicht antatschen. Ich genieße ihr Berliner Mundwerk. Wir kommen vom 100sten ins 1000sten. Stellen fest, dass wir beide etwas verrückt sind und das Anderssein tolerieren. Irgendjemand nannte mich vor Jahren mal Tolerantje. Wir fragen, erzählen und hören uns zu. Wir verabschieden uns einem dankbaren Lächeln mit kräftigem Händedruck für unsere Begegnung. Mal schauen, ob wir unser Gespräch mal fortsetzen. Und Nein, ich habe wirklich keine Vorurteile.“ 20.04.2026
Seit dieser Begegnung gehe ich wieder mit mehr Offenheit durch Berlin und ich werde belohnt. Scherzhaft erklärte ich es früher manchmal so: Ich bin aus rein egoistischen Gründen ein freundlicher Mensch, da ich mir positive Reaktionen erhoffe.
Fazit
Für mich verbindet die Positive Psychologie genau das, was ich als hochsensibler Mensch brauche: Sinn, Stärken, Resonanz und Zuversicht. Sie erinnert mich daran, dass Leichtigkeit kein Zufall ist, sondern etwas, das wir pflegen können – im Denken, im Fühlen und im Alltag. Meine Hochsensibilität ist dabei kein Hindernis, sondern ein Zugang: zu Tiefe, zu Bedeutung, zu feinen Nuancen. Und die Positive Psychologie gibt mir Worte und Konzepte für das, was ich schon lange intuitiv lebe – im Schreiben, im Begleiten, im Humor und in den kleinen Momenten des Aufblühens. Beides zusammen zeigt mir: Es gibt immer wieder etwas zu entdecken, zu fühlen, zu hoffen – und manchmal reicht ein einziger Satz, um die Schwerkraft ein Stück zu überwinden.

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