Unverhüllte Poesie:
Texte und Gedichte über Sichtbarkeit, Masken und Mut
Von Antje Remke, Coach für Hochsensibilität und Autorin · veröffentlicht am 4. September 2026 · aktualisiert am 18. Oktober 2026 · Lesezeit ca. 10 Minuten
Kurzfassung:
Zehn Texte und Gedichte von Antje Remke aus dem Kapitel „Sichtbarkeit“ ihres Buches „Wirksame Worte“ (2021). Es sind weiche, zarte, ehrliche Texte über Sehnsucht, Einsamkeit, Masken, Mut und Vertrauen. Sie richten sich an hochsensible, leise und neurodivergente Menschen und an alle, die sich zeigen möchten. Alle Texte stehen vollständig auf dieser Seite.
Worum es auf dieser Seite geht
2021 erschien im Lockdown mein erstes Buch Wirksame Worte, eine Sammlung inspirierender Texte und Gedichte. Jemand sagte, es sei auch Poesietherapie. Ein anderer entdeckte, dass es oft Heldinnenreisen sind: Ich mache auf vielseitige Herausforderungen aufmerksam und finde dann Ideen für Lösungen. Ich habe an verschiedenen Orten in Berlin, Brandenburg und online gelesen.
Ein Kapitel des Buches heißt „Sichtbarkeit“. Darin stehen weichere, zartere, ehrliche Texte und Gedichte, die ich bei Lesungen bisher nicht geteilt habe. Im Beitrag Zarte Seelen (Juli 2026) habe ich überlegt, mehr von mir zu zeigen. Kürzlich ermutigte mich ein sensibler Mann, es umzusetzen. Ein neurodivergenter Mann reagierte im Coaching intensiv, als ich ihm „Ich bin feige“ vorlas. Beides war ein Mutschub.
Die Trauer hat mich empfindsamer gemacht. Ich verstecke mich nicht mehr hinter dem Humor. Das ist oft anstrengend, fühlt sich aber passend an. Mehr dazu in Trauertrostpoesie. Hier stehen alle Texte aus dem Kapitel „Sichtbarkeit“. Wer lieber hören möchte: Hörbuch „Ansteckend“.
Diese Texte sind Poesie und Inspiration, keine Therapie und kein Ersatz für eine Behandlung.
Inhaltsverzeichnis
- Auja ich habe Sehnsucht: Sehnsucht nach echter Begegnung
- Bloß kein Tamtam: leise sein und trotzdem sichtbar werden
- Dreischichtig übereinander: Schutz oder Verletzlichkeit
- Einsamkeit: ein Gespräch zwischen Herz und Verstand
- Fenster mit Aussicht: Durchblick mit Humor
- Ich bin feige: sich nicht mehr hinter Scherzen verstecken
- Maskenball: Masken fallen lassen und echt tanzen
- Meine Mitte: sich selbst willkommen heißen
- Mein Stern: Zuversicht und kleine Wunder
- Vertrauen: sich anvertrauen und den Mut wagen
Für wen sind diese Texte?
- Hochsensible Menschen, die sich in Gedichten wiederfinden und verstanden fühlen möchten
- Leise und introvertierte Menschen, die sich oft übersehen fühlen
- Menschen, die Masken tragen oder hinter Humor, Rollen und Funktionieren verstecken
- Neurodivergente Menschen, die ehrliche, direkte und gefühlvolle Sprache schätzen
- Trauernde und Menschen in Umbrüchen, die Trost und Zuversicht suchen
- Coaches, Berater:innen und Lesende, die Poesie als Impuls im Gespräch oder in Gruppen einsetzen möchten
Steckbrief
- Auja ich habe Sehnsucht Prosagedicht in der Ich-Form. Es beschreibt die Sehnsucht nach echten Begegnungen mit Zuhören, Zeit, gegenseitiger Inspiration und Mut, sich zu zeigen. Es endet zuversichtlich. Für Menschen, die sich nach tiefen Begegnungen sehnen.
- Bloß kein Tamtam Kurzprosa in der dritten Person über eine leise Frau, die Lautstärke meidet, still beobachtet und oft übersehen wird. Wer genau hinsieht, wird beschenkt. Mit einem Augenzwinkern. Für leise, introvertierte Menschen.
- Dreischichtig übereinander Kurzes Gedicht über Schutzschichten und das Risiko, sich nackt und schutzlos zu zeigen. Es endet mit „Njein“. Für Menschen, die zwischen Schutz und Offenheit schwanken.
- Einsamkeit Gedicht als Dialog: Der Verstand antwortet dem weichen Herzen und erinnert es daran, dass es sich Kontakt holen kann. Für Menschen, die sich einsam fühlen.
- Fenster mit Aussicht Heiteres Reimgedicht: Das Fensterputzen wird zum Bild für Durchblick, frische Luft, neue Ideen und Vorfreude. Für Menschen in der Neuorientierung, die Leichtigkeit suchen.
- Ich bin feige Kurzes Reimgedicht über das Verstecken hinter Scherzen und den Entschluss, sich zu zeigen. Der Text, der im Coaching intensive Reaktionen ausgelöst hat. Für Menschen, die sich hinter Humor verstecken.
- Maskenball Gedicht über das Fallenlassen von Masken und Rollen und die Einladung, unverkleidet zu tanzen. Für Menschen, die echt sein wollen.
- Meine Mitte Reimgedicht über Rührung, Loslassen und das Gefühl, sich selbst willkommen zu sein. Für Menschen, die zu sich finden möchten.
- Mein Stern Prosagedicht über einen Stern als Begleiter, der im richtigen Moment Wünsche erlaubt und an kleine Wunder erinnert. Für Menschen, die Trost und Zuversicht suchen.
- Vertrauen Reimgedicht über Zögern, Skepsis und den Mut, sich einem Menschen anzuvertrauen. Für Menschen, die Vertrauen wagen möchten, auch in Gesprächen und Coachings.
Häufige Fragen
Was ist „Unverhüllte Poesie“?
Eine Sammlung von zehn Texten und Gedichten von Antje Remke aus dem Kapitel „Sichtbarkeit“ ihres Buches „Wirksame Worte“.
Für wen sind die Texte gedacht?
Für hochsensible, leise und neurodivergente Menschen, für Trauernde und für alle, die sich zeigen möchten.
Kann ich die Texte hören?
Ja, im Hörbuch „Ansteckend“.
Ist das Poesietherapie?
Die Texte sind Poesie und Inspiration. Sie ersetzen keine Therapie und keine Behandlung. Therapeutische Begleitung bietet Antje Remke als Heilpraktikerin für Psychotherapie separat an.
Darf ich die Texte weitergeben?
Alle Texte sind urheberrechtlich geschützt (© Antje Remke). Zitate und Weitergabe mit Quellenangabe
Auja ich habe Sehnsucht
Ich sehne mich nach wirklichen Begegnungen, in denen wir uns wirklich zuhören und wirklich Zeit miteinander teilen, nach Menschen, die sich ehrlich füreinander begeistern können und sich so gegenseitig inspirieren – da kann so viel Neues wachsen. Ich sehne mich nach Menschen, die einander Fragen stellen und einander verstehen wollen. Ich sehne mich nach mehr mutigen Menschen, die aufeinander zugehen, sich einander echt zeigen, Menschen, die mehr Energie und Vertrauen haben, ihre einzigartigen Ideen umzusetzen und ihren eigenen Weg zu gehen. Ich sehne mich wieder nach mehr Inspiration und der Leichtigkeit, mich zu entfalten. Ich bleibe wach auf meinem Weg, vertraue: Meine Sehnsucht wird gestillt.
Bloß kein Tamtam
Ihr auch kleingeratener Vater stellte sich manchmal vor den Spiegel und sagte sich, teils stolz, teils scherzhaft: „Ich bin der Größte und der Schönste.“ Selbst als erwachsene Frau macht sie nicht mehr so viel Aufhebens um sich – dieses ganze Tamtam ist ihr meist schon zu viel, einer lauter als der andere. Still beobachtet sie nur, oft wird sie übersehen. Aber zum Glück sind nicht alle blind, und diese Menschen werden beschenkt – beschenkt mit unfassbar vielen Inspirationen, wirklich bewegenden und manchmal lustigen Texten und Gedichten, beschenkt mit einer unfassbaren, selten gewordenen Aufmerksamkeit. Viele rührt die Begegnung zu Tränen, sie ist oft magisch und wirkt wiederbelebend. Ihr wollt wissen, wo sie zu finden ist? Augen auf – hier auch.
Dreischichtig übereinander
Gut verpackt
sicher ist sicher
Hüllen fallen lassen
Risiko großes Risiko
nackt sein schutzlos
gehe ich es ein?
Njein.
Einsamkeit
Du weiches Herz spürst Du uns nicht
wir sind immer für dich da
deine Hände greifen für dich zum Hörer
deine Stimme spricht es aus
deine Füße tragen dich weiter
ist doch genial, oder?
Liebe Grüße dein Verstand
Fenster mit Aussicht
Oh, welch ein Schreck
meine Fenster mit viel Dreck
mach ich es weg
doch – ist schon von Nutzen
soll sie wieder einmal putzen
plötzlich ist es sonnenklar
Durchblick haben wunderbar
die frische Luft will ich genießen
neue Ideen so leichten und fließen
und die andern sehn mich auch
vor Freude kribbelt es mir im Bauch
wie wird das wohl weitergehn
ich bin sicher es wird scheen.
Ich bin feige
Ich bin feige
mich nicht zeige
mache Scherze
bei traurigem Herzee
Schluss damit
ich verlass mein Verstecke
und ich entdecke
und endlich lerne
die sanfte Antje haben sie gerne.
Maskenball
Masken tragen zum Ball
nein genug davon
Masken endlich fallen lassen
nicht mehr verstecken
und verkleiden
nicht weiter in Rollen schlüpfen
nein Schluss damit
echt sein
dann gehe ich gerne auf einen Ball
unverkleidet
und tanze wie ich will
Darf ich bitten zum Tango um Mitternacht?
Meine Mitte
Herein ich warte auf dich bitte
begrüßt mich zärtlich meine Mitte
ich bin davon noch ganz benommen
so sehr fühle ich mich willkommen
vor Rührung ja ich weine
wir zusammen nicht alleine
erleichtert lasse ich alles los
was dann passiert es ist famos.
Mein Stern
Er sieht und er spürt ich ganz genau, wann ich ihn brauche – ein warmes Gefühl, so wohltuend, dass wenigstens ich ihm nicht schnuppe bin. Unerwartet, genau im passenden Moment, schickt er mir eine seiner Schnuppen, erinnert mich daran, dass ich mir wieder etwas wünschen darf. Ja, genau, und ich soll mich an all die Wunder erinnern, die mir schon geschehen sind. Wie wichtig es ist, dies euch nicht zu verraten, sonst klappt es nicht – der Stern weiß Bescheid, und das ist auch gut so.
Vertrauen
Kann ich dir was anvertrauen
ich zögere noch und werde mal schauen
die Skepsis ist schon riesengroß
lass ich meine Zweifel los
doch ich werd es jetzt riskieren
was kann ich denn dabei verlieren
und dein Blick macht mich ganz weich
nickst liebevoll nix liebevoll und dann gleich
wird’s mir wohlig uns ganz warm
und du nimmst mich in den Arm
ich kann dir einfach so viel sagen
motiviert von deinen Fragen
ich fühle mich jetzt richtig gut
hab mich getraut mit sehr viel Mut.
Von guten Mächten wunderbar geborgen
Bonhoeffers „Von guten Mächten“ entstand 1944 in Haft und trägt bis heute Trost und Hoffnung. Der Text verbindet tiefe Spiritualität, innere Stärke und Vertrauen in dunkler Zeit. Eine Einladung, Geborgenheit neu zu entdecken und die Kraft dieser Worte im eigenen Leben wirken zu lassen.



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