Freundlichkeitskette
Eine Freundlichkeitskette entsteht, wenn eine kleine Geste der Freundlichkeit weitergegeben wird und sich fortsetzt. Ein Lächeln, ein Danke, ein Miniimpuls, ein kurzer Moment echter Aufmerksamkeit – und jemand anders trägt diese Wärme weiter. So kann ein stilles Netz aus Verbundenheit entstehen. Die Tage werden heller gemacht. Freundlichkeit wirkt ansteckend. Unser Gehirn liebt positive Mikro‑Erlebnisse. Gute Gefühle verbreiten sich wie Wellen.
Ich hörte vor vielen Jahren das erste Mal durch Vera F. Birkenbihl von der Freundlichkeitskette. Mich wärmte und freute die Idee. Sie nannte das oft „Infizieren mit guter Laune“ oder „positive Viren“ – kleine, freundliche Handlungen, die sich weiterverbreiten, ohne dass man es erzwingen muss.
Meist grüße ich weiterhin Busfahrer und finde freundliche Worte an der Kasse beim Einkaufen. Ich gebe zu, dass es sonst nachgelassen hat. Es ist so oft ermüdend in Berlin, so selten auf offene aufmerksame Menschen zu treffen. Ja ich lasse mich anstecken von dem Verhalten der anderen. Schon verrückt, dass es mir da auffiel, dass im Supermarkt andere mich wahrnahmen und mir Platz machten. Mein Dank darüber freute sie. Eine hochsensible Coachingkundin war begeistert von dem Gedanken, wie wirksam und hilfreich Freundlichkeit ist. Das motiviert mich dazu, diesen Blog zu schreiben.
Vision einer Berliner Freundlichkeitskette
Am Morgen hält eine Frau am S‑Bahnhof einem Mann die Tür auf. Er ist hochsensibel, nimmt die Geste tief wahr und atmet zum ersten Mal an diesem Tag weicher.
Er bedankt sich warm und überlässt einer Mutter mit Kind seinen Sitzplatz.
Die Mutter lächelt überrascht und schenkt dem Fahrer beim Aussteigen ein freundliches „Danke fürs Fahren“
Der Busfahrer, sonst eher wortkarg, winkt einem Radfahrer an der Ampel großzügig durch. Der Radfahrer hebt die Hand, fährt weiter und hilft einer älteren Dame, ihren Einkauf hochzutragen.
Die Dame strahlt, und im Späti um die Ecke sagt sie zum Verkäufer: „Dit war aber nett heute.“ Der Verkäufer, selbst hochsensibel, fühlt sich gesehen und gibt der nächsten Kundin ein echtes Kompliment mit.
Eine Freundlichkeitskette ist wie ein stiller Strom durch die Stadt. Hochsensible sind darin oft die Verstärker: Sie spüren die Wärme tiefer, geben sie bewusster weiter und machen Berlin ein bisschen weicher. Man darf noch träumen auch in Berlin. Vielleicht kann ich ja anstecken.
Ich habe keine Vorurteile
Im Park in Pankow setzt sich eine ältere sehr elegant gekleidete Dame zu mir. Topp die Frisur und rosa Kunstnägel. Kilometerweit entfernt von meinem ungeschminkten pragmatischen Stil. Als sie dann noch sagt, dass sie am Kudamm lebt, landet sie im Schubkasten – typisch Wessi. Nein ich habe keine Vorurteile, Trotzdem reden wir miteinander. Und dann erfahre ich ihre Geschichte.
Geboren und aufgewachsen in Pankow. Der erste Versuch, in den Westen fliehen, missglückte und sie landete im Gefängnis. Dafür bekommt sie inzwischen die Opferrente nach dem SED‑Unrechtsbereinigungsgesetz. Beim 2. Mal gelang abenteuerlich die Flucht. Ihr Mann liegt inzwischen in Pankow auf dem Friedhof. Da möchte sie auch irgendwann beerdigt werden.
Bis dahin geht sie wöchentlich u.a. zum Friseur. Sie gibt zu, dass das einer ihrer Speens ist. Sie schenkt allen Menschen ein Lächeln und ihre Ernte an schönen Momenten ist groß. Ich gebe zu, dass ich es vernachlässigt habe, mit einem freundlichen Gesicht durch Berlin zu gehen. Sie reist furchtlos durch die Welt. Sie mag schwule Männer, weil die einen nicht antatschen. Ich genieße ihr Berliner Mundwerk. Wir kommen vom 100sten ins 1000sten. Stellen fest, dass wir beide etwas verrückt sind und das Anderssein tolerieren. Irgendjemand nannte mich vor Jahren mal Tolerantje. Wir fragen, erzählen und hören uns zu. Wir verabschieden uns einem dankbaren Lächeln mit kräftigem Händedruck für unsere Begegnung. Mal schauen, ob wir unser Gespräch mal fortsetzen. Und Nein, ich habe wirklich keine Vorurteile.“
Nach dieser überraschenden Begegnung im April 2026 teile ich wieder großzügiger mein Lächeln.
Ansteckend
Als ich über die Freundlichkeitskette schrieb, fiel mir plötzlich eine schöne Parallele auf: Vera F. Birkenbihl sprach von „positiven Viren“ – kleinen Gesten, die gute Laune weitertragen.
Ganz unabhängig davon habe ich mein Hörbuch „Ansteckend“ genau aus derselben Absicht heraus so genannt: weil meine Texte und Gedichte kleine Funken sind, die sich weiterverbreiten können. Worte, die wärmen. Worte, die ein Lächeln auslösen. Worte, die ansteckend wirken – im besten Sinn.
Diese Verbindung zu entdecken, hat mich gefreut. Zwei Wege, eine Idee: Freundlichkeit breitet sich aus. Gesten bei ihr. Worte bei mir. Und manchmal reicht ein einziger Satz, um etwas Helles weiterzugeben.
Fazit
Freundlichkeit wirkt leise, aber weit. Ein Lächeln, ein warmer Satz, ein kleiner Moment echter Aufmerksamkeit kann eine ganze Kette auslösen – gerade in einer Stadt wie Berlin. Hochsensible verstärken diese Impulse oft, weil sie Wärme tiefer spüren und bewusster weitergeben.
Vielleicht braucht es gar nicht viel: ein freundlicher Blick, ein offenes Wort, ein kleines Gedicht. Manches breitet sich aus, ohne dass wir es merken. Freundlichkeit ist ansteckend. Alles muss klein beginnen.
Hochsensibilität und das Grundgesetz
Hochsensibilität zeigt, wie wichtig Würde, Klarheit und seelische Unversehrtheit sind. Beim Lesen des Grundgesetzes wurde mir bewusst, wie eng diese Bedürfnisse mit unseren Grundrechten verbunden sind – und wie wichtig es ist, sie achtsam zu schützen.

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