Berliner Fenster Frauenorte in Berlin
Im Sommer 2023 brachte mich das Frauenzentrum Paula Panke mit der Fotografin Walerija Weiser zusammen, mit der Idee für ein gemeinsames Projekt. Wir trafen uns und setzten 2 Ideen um.
Zum einen fotografierte mich Walerija Weiser an meinem Berliner Ort, zum anderen leiteten wir einen Workshop Worte für Orte. Bei diesem zeigte Walerija Frauen mit Orten und ihren Geschichten und ich leitete zum Schreiben an. Wir genossen den Abend, Zu dem Zeitpunkt war klar, dass es eine Ausstellung bei Paula Panke geben wird.
Im Oktober 2024 gab es eine sehr gut besuchte Vernissage. Ich genoss die Begegnungen und die anderen Geschichten. In einem Begleitheft sind die Geschichten der einzelnen Frauen nachzulesen. Meine ist hier.
Nicht mehr möglich – das ist sehr traurig
Nach der Vernissage verspürte ich das große Bedürfnis, der Kreißsaal Gynäkologin nochmal zu danken. Das geht nicht mehr. Ich fand im Netz, dass sie 2023 leider verstorben ist. Es bleibt ein bitteres Gefühl. Daneben aber auch eine tiefe wärmende Dankbarkeit, dass sie einen riesigen Anteil daran hatte, mich von meinem ersten Geburtstrauma zu heilen.
ANTJE UND DIE KLINIK „MARIA HEIMSUCHUNG“ IN PANKOW
„Mein Ort in Berlin, verbunden mit vielseitigen Erinnerungen an besondere Situationen, Begegnungen und intensiven Gefühlen. 2001 begann es. Gerade schwanger, besichtigten wir den Kreißsaal. Es fühlte sich passend an, dort zu entbinden. Emotional komplett aus der Bahn warf mich dann völlig unvorbereitet der Kaiserschnitt. Ich nahm später meinen Mut zusammen und schrieb dem Krankenhaus. Es folgte ein Gespräch, bei dem meine Kritik ernst genommen wurde. Es gab in der Physiotherapie lateinamerikanischen Tanz zur Rückbildung. Die Idee das beides miteinander zu verknüpfen, fand ich großartig.
Ich entschied mich auch beim zweiten Mal in der Maria Heimsuchung zu entbinden. Dieses Mal fühlte ich mich hervorragend vom Personal umsorgt. Mit der Spontanentbindung meiner Tochter fühlte ich mich von meiner traumatischen Erfahrung geheilt. Ich genoss meine Mobilität und die Willkommensbesuche.
Später waren wir immer wieder dabei, wenn Sommerfest im Krankenhaus gefeiert wurde. Mein Interesse für das Gesundheitswesen ist auch der Tatsache geschuldet, dass ich gelernte Krankenschwester bin. Obwohl ich schon viele Jahre nicht mehr in dem Bereich arbeite, fühlen sich Krankenhäuser für mich immer sehr vertraut an.
Ab und zu bekam ich Hilfe in der Rettungsstelle. Es war nie etwas Dramatisches. Viele Jahre später musste ich als Patientin stationär sein. Ich teilte mir die Zimmer mit Frauen, mit denen ich mich teilweise immer noch verbunden fühle. Wir trösteten einander, redeten und lachten. Ich schätze es sehr, dass ich gesund bin. Im Patientenfunk gab es Texte aus meinen Büchern zu hören. Es hat mich zu einem Gedicht motiviert. In der Kapelle fand ich immer wieder Trost.
Ich genieße es immer wieder einmal in der Cafeteria und im Krankenhauspark zu sitzen. Bin gespannt, wie unsere Geschichte weitergeht.“ Für mich ist das Krankenhaus in Laufentfernung und ich bin immer wieder berührt, wenn ich vorbeikomme.
Wozu dienten meine Erfahrungen?
Ich leitete 20 Jahre ein Frühstück für Mütter in Elternzeit. Mich hat mein Kaiserschnitt sensibilisiert für Geburtsgeschichten, die nicht rosarot verliefen. Immer wieder motivierte ich Mütter, sich auch an die Krankenhäuser zu wenden. Ich teilte, dass ich psychologische Unterstützung bei Tanja Sahib nutzte und eine Selbsthilfegruppe gründete für Kaiserschnitt – Mütter. Sie bat bei der Entstehung ihrer Buches „Es ist vorbei – ich weiß es nur noch nicht – Bewältigung traumatischer Geburtserfahrungen“ um meine Meinung. Das freut und berührte mich sehr.
2023 schrieb sie mir: „Ich denke, dass Du einen Anteil an meiner Spezialisierung „Traumatische Geburt“ hattest, weil Du damals dir von unserem Familienzelt eine „Kaiserschnitt-Gruppe“ gewünscht hast. Ich weiß nicht mehr, wie viele Frauen in diese Gruppe gekommen sind. Jetzt melden sich ja manchmal bis zu 20 Frauen für eine Gruppensitzung an, so dass ich dann zwei Gruppen mache. Also Danke. Mein Buch „Es ist vorbei-ich weiß es nur noch nicht“ ist 2013 herausgekommen und hat seitdem unzähligen Frauen im deutschsprachigen Raum geholfen.“
Vielleicht finde ich noch den Brief, den ich damals nach dem Kaiserschnitt ans Krankenhaus schrieb. Während des Lockdowns motivierte mich der Kontakt zum Patientenradio zum Gedicht Pfleger Klaus.
In der Zwischenzeit war ich öfter zum Krankenbesuch in der Maria Heimsuchung. Der Tag der offenen Tür lockte mich auch wieder einmal dorthin. Es gab wieder vielseitige Eindrücke.
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Hochsensibilität und das Grundgesetz
Hochsensibilität zeigt, wie wichtig Würde, Klarheit und seelische Unversehrtheit sind. Beim Lesen des Grundgesetzes wurde mir bewusst, wie eng diese Bedürfnisse mit unseren Grundrechten verbunden sind – und wie wichtig es ist, sie achtsam zu schützen.
Sowohl als auch
Maria Heimsuchung ist für mich ein Ort, an dem Schmerz und Heilung nebeneinanderstehen. Hier begann meine Mutterschaft, hier wurde ein Trauma sichtbar – und 2 Jahre später geheilt. Dieser Ort hat mich geprägt, gestärkt und begleitet. Deshalb ist er mein Ort in Berlin.