Wer nicht fragt bleibt dumm
Wer nicht fragt, bleibt dumm
Die Kunst des Fragens
Von Antje Remke, Coach für Hochsensibilität · veröffentlicht am 22. April 2022 · aktualisiert am 18. Oktober 2026 · Lesezeit ca. 6 Minuten
Kurzfassung: Fragen verbinden, klären Missverständnisse, regen Kreativität an und vertiefen Beziehungen. Antje Remke, Coach für Hochsensibilität, sammelt 33 Frageformen mit Beispielen, nennt ihre Vermutungen, warum andere nicht fragen, und erklärt, wann sie selbst nicht fragt. Der Beitrag geht auf eine Rede im Redeclub „Reden wie Rosa“ zurück.
Worum es geht
Dies ist die überarbeitete Fassung meines Beitrags. Die erste Version vom Januar 2022 war plötzlich unauffindbar. Ich frage mich, wie und warum das passiert ist. Wer weiß, wer weiß?
Meine Fragen in diesem Beitrag: In welchen Kontexten sind Fragen ein Gewinn? Was sind meine Vermutungen, warum andere Menschen nichts fragen? Wann frage ich nichts? Was für Fragen gibt es alles? Fragen über Fragen.
🎧 Audio: „Fragen“ von Antje Remke (aus Crossover)
Redeclub Reden wie Rosa
Im September 2020 gründete das Frauenzentrum Paula Panke in Berlin Pankow den Redeclub „Reden wie Rosa“, benannt nach Rosa Luxemburg. Es drängte mich, eine Rede über „das/die Fragen“ zu schreiben und zu halten. Ich stelle schon immer gerne Fragen über Fragen. Keine Ahnung, welche Rolle in meiner Kindheit die Sesamstraße mit ihrem Titelsong spielte.
Der Redeclub ließ mich wachsen, so dass ich immer wieder an anderen Orten, mir die Bühne nehme, rede und Fragen stellen.
Wozu wir Fragen stellen: 33 Beispiele
Alltag klären und Interesse zeigen
- Alltägliches klären: „Kaufst du die Milch oder ich?“
- Bedürfnisse artikulieren: „Mir ist es zu laut, kannst du bitte leiser reden?“
- Interesse zeigen: „Das ist ja lecker. Verrätst du mir bitte das Rezept?“
- Verbindung herstellen: „Darf ich mich zu Ihnen setzen?“
- Vorträge von zu Hause digital aus dem Wohnzimmer halten: „Was brauche ich dafür?“
Beziehung und Verbindung
- Berühren: „Was ist mit dir los, du guckst so traurig?“
- Den anderen gut dastehen lassen: „Großartig! Wie hast du das geschafft?“
- Masken fallen lassen: „Du bist so schweigsam. Wie geht es dir wirklich?“ Kennst du es, wenn kein Mensch da ist, der das wirklich wissen will?
- Missverständnisse aufklären: „Du hast dich lange nicht gemeldet, was ist los?“
- Überraschen durch Geschichten, die man sich merkt: „Du hast erzählt, dass du den Hund wieder zurückgeben willst. Was ist aus der Idee geworden?“
- Sich besser kennenlernen: „Hast du schon mal was von Hochsensibilität gehört?“
- Von der Oberfläche in die Tiefe gehen: „Was begeistert mich, und was noch?“
Wissen und Kreativität
- Die Wissenschaft voranbringen
- Kreativität anregen: „Welche Wörter kennt ihr nur mit dem Vokal A?“
- Nerven (Kinderfragen): „Mama, wie geht das? Mama, was macht die Frau da?“
- Nicht alle Lösungen selber finden: „Wie hast du das damals gemacht, als sich der Kindesvater getrennt hat?“
- Schwarmwissen nutzen: „Ich suche einen Friseur. Kennt jemand, der jemanden kennt, der momentan Haare schneidet?“
- Uns unsagbar viel Wissen aneignen: „Wie hat es angefangen mit dem Club ‚Reden wie Rosa‘?“
- Das Unbewusste in anderen Sprachen fragen: „Pregunta, question, Wapros“
Entscheiden und Unterstützung
- Pro und Kontra abwägen: „Was ist wichtig bei der Wahl der Schule?“
- Reflektieren
- Motivieren: „Was machst du als Nächstes?“
- Positionieren: „Geht es dir als Hochsensible:r so, dass dich Wiederholungen langweilen?“
- Meinung einholen: „Wie hat es dir gefallen?“
- Unterstützung bekommen: „Ich kann nicht weiter. Hilfst du mir bitte?“
- Für Diagnosen: „Wo genau sind Ihre Schmerzen?“
- Zweinigen: einen Kompromiss finden, „Wie finden wir gemeinsam Lösungen?“
- Täter überführen: „Sie sagen, dass Sie beim Bankraub im Kino waren. Wo sind die Tickets, und wer hat Sie begleitet?“
Fragen mit Schattenseite
- Frage hinter der Frage: „Wie sind deine Pläne?“ oder „Wann habe ich endlich meine Ruhe?“
- Verletzen und verunsichern: im Negativen, um den anderen schlecht dastehen zu lassen, gewollt und mit Absicht: „Hast du da wieder nicht dran gedacht? Wie oft muss ich das noch sagen?“
- Manipulieren: „Kochst du mir bitte auch einen Tee, wenn du gleich in die Küche gehst?“
- Von sich selbst ablenken: „Bei mir ist alles okay, aber erzähl doch, wo drückt dir der Schuh?“
- Wohlwollend provozieren: „Was kannst du alles machen, damit sich wirklich gar nichts an deinem Zustand verbessert?“
Weitere Frageformen findest du in der Übersicht der Fragearten (business-wissen.de).
Meine Vermutungen: Warum andere nicht fragen
Das sind meine persönlichen Vermutungen, keine Studienergebnisse:
- Angst vor Ablehnung
- Auswirkungen der Pandemie
- Menschen geht es nicht gut und sie haben so viel mit sich zu tun
- Menschen haben Angst, anderen zu nahe zu treten
- Menschen haben ein unterschiedliches Grundinteresse an Dingen und anderen Menschen
- Menschen wachsen mit „Sei nicht so neugierig, man fragt anderen Leuten nicht Löcher in den Bauch“ auf
- Menschen, die wenig Aufmerksamkeit bekamen oder bekommen, können sie anderen nicht so leicht entgegenbringen
Ich frage nicht, wenn …
- es mich einfach nicht interessiert
- ich so in meinem eigenen Film bin, dass ich nichts mehr hören kann
- ich das Gefühl habe, mich in Bereiche zu begeben, die mir zu heikel sind
- ich manche Stimmen unerträglich finde. Das wird immer schlimmer.
- im Privaten das Verhältnis von Fragen und Zuhören nicht in Balance ist
- ich wiederholt auf Fragen keine Antworten bekomme
- ich Angst habe, doof dazustehen („Was, das weißt du nicht?“)
- ich die Konsequenzen der Fragen befürchte, etwa dass die alleinige Umsetzung der Idee an mir hängen bleibt
- ich weiß, dass Menschen nicht mehr aufhören zu reden, wenn ich ihnen den Raum gebe
Ergänzung 2025: Die Tasse
Die Tasse bekam ich von einer Frau geschenkt, die sie schön fand, aber nichts von der Sesamstraße wusste (ostsozialisiert). Schon verrückt. Ich stelle mir und anderen ja schon immer gerne Fragen. Ich überlege, welchen Einfluss die Titelmelodie hatte.
2022 schrieb ich den Blogbeitrag „Wer nicht fragt, bleibt dumm“. Ja, und gerade Ernie und Bert. Nun genieße ich meine neue Tasse für ein wohliges Gefühl. Instagram, 4. September
Häufige Fragen
Warum sind Fragen wichtig?
Fragen verbinden, klären Missverständnisse, regen Kreativität an, vertiefen Beziehungen und helfen, Unterstützung zu bekommen.
Warum fragen manche Menschen nicht?
Das sind meine Vermutungen: Angst vor Ablehnung oder davor, zu nahe zu treten, eigene Belastung, Erziehung („Man fragt anderen keine Löcher in den Bauch“) und wenig erfahrene Aufmerksamkeit.
Wann fragt Antje Remke nicht?
Zum Beispiel, wenn es sie nicht interessiert, wenn sie zu sehr in ihrem eigenen Film ist, wenn ihr eine Frage zu heikel ist oder wenn sie wiederholt keine Antwort bekommt.
Wie nutzt Antje Remke Fragen im Coaching?
Sie lenkt mit Fragen die Aufmerksamkeit. Eine Kundin sagte, die Fragen „pieksen“, und das ist gut so. [prüfen: Einverständnis]
Was ist „Reden wie Rosa“?
Ein Redeclub des Frauenzentrums Paula Panke in Berlin Pankow, gegründet im September 2020 und benannt nach Rosa Luxemburg.
Was bedeutet „zwei nigen“?
Ein Kompromiss finden. Wir einigen uns, dass wir uns nicht einigen können. Der Begriff stammt von Vera F. Birkenbihl.
Fragen
Fragen im Coaching
Es ist klar, dass ich es als Coach liebe, Fragen zu stellen. Eine Kundin meinte mal, dass meine Fragen pieksen, und das ist gut so. Ich kann damit die Aufmerksamkeit lenken, und ich finde es großartig. Es gibt so viele Arten von Fragen, zum Beispiel rhetorische Fragen und Alternativfragen. Sie alle aufzuzählen würde den Rahmen sprengen.
Seit meinem Vortrag bin ich noch aufmerksamer für den fraglichen Umgang mit Fragen. Ich frage mich, wo das noch hinführen wird. Ich werde Fragen immer wieder thematisieren, vielleicht gelingt es mir, jemanden zu sensibilisieren.
Kontakt
Antje Remke, Coach für Hochsensibilität · Pestalozzistraße 14, 13187 Berlin (Pankow) und online · Telefon 0179 7932906 · info@denken-neu-lenken.de
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