Vor zehn Jahren lernte Antje Remke das Thema kennen, als eine Frau sie zu einer Veranstaltung in Pankow einlud. „Ich habe mich oft nicht verstanden gefühlt, konnte mich für viele Dinge begeistern und brauchte eine größere Welt“, beschreibt sie ihre Kindheit. Schon früh schrieb sie Gedichte – in der 5. Klasse über Weihnachten, ihre Mama und Sport –, später nutzte sie Schreiben als Poesie-Therapie, besonders während des Corona-Lockdowns: „Der war eine Katastrophe, weil ich mich nicht entfalten konnte.“
Entfaltung ist für hochsensible Menschen ein wichtiges Thema. Oberflächliche Gespräche zum Beispiel sind etwas, das Hochsensible oft nicht mögen oder gar meiden, berichtet Remke. Sie weiß aus Erfahrung, dass Tiefgründigkeit etwas ist, das Hochsensible brauchen und dafür braucht es Raum und Zeit – nicht immer einfach in einer schnelllebigen Zeit.
Ihr erstes Seminar über Hochsensibilität in Brandenburg an der Havel fand im Jahr 2023 statt und hatte zehn Teilnehmer. Mittlerweile folgen im Frühling und Herbst je zwei Kurse. Remke berichtet über das selbstgegründete Netzwerk „Die Havelfeen“ mit vier Frauen, die sich durch ihre Kurse gefunden und nun vernetzt haben, um mutiger mit dem Thema umzugehen.
Im Fachkräftemangel sieht Remke Chancen, denn sie arbeitet auch als Jobcoach: „Hochsensible brauchen es gefragt zu werden, was sie zum Arbeiten benötigen.“ Sie warnt vor alten Denkmustern wie „Jetzt hab dich mal nicht so und sei doch nicht so sensibel“ und rät zu eigenem Raum, Vertrauen und Abgrenzung statt Kontrollblicken vom Chef. In ihren Jobcoaching-Berichten für Ämter benennt sie bewusst die Hochsensibilität ihrer Klienten offen, um Passgenauigkeit zu fördern und das Thema Stück für Stück in dieses System zu bringen.
„Ressourcen schonen, Grenzen kennen – und Humor hilft“, fügt sie hinzu. Eine Teilnehmerin ihres Kurses an der VHS lobte: „Dein tiefsinniger Witz bringt Abstand zu schweren Themen.“ Remke wird sich auch in Zukunft für mehr Sichtbarkeit einsetzen: „In Amerika gibt es den 1. November als Hochsensibilitätstag – bei uns fehlt das noch.“
Antje Remke sucht „Oasen-Menschen“ und spricht überall darüber – sogar ein Filmprojekt über Hochsensibilität brodelt, wie sie kürzlich erfahren hat. Ihre Botschaft: Hochsensibilität als Gabe nutzen, durch Austausch und Strategien. Wer will, kann Antje Remke anfragen für Lesungen, Vorträge oder Workshops. An der VHS Brandenburg an der Havel wird sie im Mai 2026 ihre nächsten Kurse anbieten.
Mehr Infos und Kontakt: [Antje Remke – Coach für Hochsensibilität].
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