Der alte Krokus und die Sonne
Den Text schrieb ich in einem anderen langen Winter. Da ich gerade die ersten Schneeglöckchen entdeckte und die Sonne gestern viele Stunden schien, ist es mir ein Bedürfnis, diesen hier zu teilen. Erst fand ich es nur lustig, inzwischen fühle ich facettenreicher. Mal sehen, wann ich alter Krokus wieder raus komme.
Der alte Krokus und die Sonne
Ich bin ein in die Jahre gekommener Krokus. Noch ziemlich kalt und ungemütlich da draußen. Ich schütze mich mit vielen Häuten, um nicht zu frieren. Winter halt. Ich schlafe viel. Manchmal langweile ich mich. Es ist dunkel und es gibt fast nichts zu tun. Zum Glück bin ich ja in Gesellschaft mit vielen knolligen Freunden und Freundinnen. Manche erzählen gerne Witze. Nicht über alle kann ich lachen. Da kann ich nur gähnen und wieder ein Nickerchen machen. Berührend ist es oft, wenn die feinen Schneeglöckchen sanfte Melodien summen. Die haben aber auch Stimmen. Da fließt schon mal das eine oder andere Tränchen. Da spüre ich eine Sehnsucht. Ach ja. Ich verliere das Zeitgefühl.
Und vor ein paar Tagen oder Wochen, kann ich nicht genau sagen. Der Schreck steckt mir noch in den Häuten. Posttraumatisch belastet meint meine Freundin. Ich weiß nicht recht. Polternde Erschütterungen. Panik, wusste nicht, ob ich entwurzelt werde. Ich verlor fast mein Gleichgewicht. Es schmerzt mich fast darüber zu schreiben. Manche behaupten, dass es gut tut, es zu teilen. Mal sehen, naja ging ja fast nicht in der Dunkelheit. Aber ich spürte und hörte, wie er näher kam. Ich fühlte mich bedroht durch sein hektisches atmen. Ich kannte ihn aus zahlreichen Horrorgeschichten. Nur wenige konnten seinen scharfen Schaufeln entkommen. Sollte das jetzt mein Ende sein? Sollte ich niemals wieder die Sonne sehen. NEIN, NEIN, Nein. Ich rief alle Erdgnome und bat sie um Beistand. Und? Die Schaufeln kratzten bereits an meiner Haut. Der Schmerz ging durch und durch. Das Wünsche ich nicht mal meinem schlimmsten Feind. Und da hörte ich sie die Erdgnome. Mit ihren beschwörenden Stimmen
„Maulwurf lass das kratzen sein sonst erstarrst du zu nem Stein
Maulwurf lass das kratzen sein sonst als warst du zu nem Stein.“
Wieder und wieder.
Nach einer gefühlten Ewigkeit hörte ich, wie er sich ganz verdattert verzog. Die Erdgnome schenken mir noch einen dotterweichen Schutzstein und zogen ihres Weges. Und ich bin noch da.
Es verändert sich. Die Schneeglöckchen dehnen und strecken sich. Ihre Lieder wären kraftvoller. „Ich lieb den Frühling, ich lieb den Sonnenschein.“ Die Sehnsucht und die Lust auf den Durchbruch wächst und wächst.
Eines Morgens ist es so weit. Mit Hummeln im Hintern verabschieden sie sich und wollen nur noch raus. „Macht es gut und wir sehen uns. Wir warten auf euch.“ Mit aller Kraft öffnen sie die Erde und es dringen erste Sonnenstrahlen durch. Ich bewundere ihren Pioniergeist und ihren Mut. Ich will das auch wieder raus an die Luft. Endlich mal wieder etwas anderes erleben. Ich singe übermütig: „Ich schaff das schon.“ Kompetenzunterstellung soll ja bekanntlich helfen. Ich rege mich genüsslich – mit Erfolg. Die Sonne begrüßt mich sehr vertraut. „Wirklich schön dich wieder so sonnengelb leuchten zu sehen.“ Yes ich bin bereit für das. was da noch kommt.
Liebe Heike, das freut mich sehr zu lesen. Teile sie gerne wo du möchtest. Mehr gibt es hier https://denken-neu-lenken.de/autorin-inspirierender-texte-und-gedichte/ Beste Grüße Antje
So eine wunderschöne Geschichte,sie muss unbedingt geteilt werden.
Meinen Herzensdank an die Verfasserin.